True Wealth Finanzkompetenzindex 2026
Ob Zinseszins, ETF oder der Zusammenhang von Risiko und Rendite – unser Alltag ist voller Finanzfragen. Doch wie gut versteht die Bevölkerung die Mechanismen hinter Finanzanlagen wirklich? Der True Wealth Finanzkompetenzindex 2026 liefert Antworten. In diesem Jahr rückt eine neue Frage ins Zentrum: Macht es einen Unterschied, ob jemand selbst investiert? Die Antwort ist deutlich.
Kapitel 01 / 06
Zum ersten Mal haben wir in dieser Ausgabe erhoben, ob die Befragten selbst Finanzanlagen besitzen – seien es traditionelle Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder ETF, alternative Anlagen, digitale Vermögenswerte, Derivate oder nachhaltige Anlagen. Rund 57 Prozent der Befragten gaben an, mindestens eine Form von Finanzanlage zu besitzen, knapp 39 Prozent besitzen keine, und rund 4 Prozent machten dazu keine Angabe.
Der Unterschied im Finanzwissen zwischen diesen Gruppen ist einer der deutlichsten Befunde der gesamten Studie. Wer Anlagen besitzt, erreichte im Finanzkompetenzindex eine Punktzahl von 6,6 – wer keine besitzt, lediglich 4,1. Das entspricht rund 66 gegenüber 41 Prozent korrekt beantworteter Fragen. Dieser Abstand von rund 25 Prozentpunkten ist grösser als der Unterschied zwischen den Geschlechtern und reicht an den Abstand zwischen der tiefsten und höchsten Schulbildung heran.
Anteil korrekter Antworten nach Finanzanlagen
Erstmals 2026 erhoben – für 2024 und 2025 liegen keine Werte vor.
Bemerkenswert ist, dass Anlegerinnen und Anleger bei allen zehn Fragen besser abschnitten – ausnahmslos. Am kleinsten ist der Vorsprung bei den Grundlagen wie dem Zinseszins (86 gegenüber 71 Prozent), denn dieses Basiswissen ist auch ohne eigene Anlageerfahrung verbreitet. Am grössten wird der Abstand bei den anspruchsvolleren, anwendungsnahen Themen: Beim Verständnis der Vorteile von ETF lagen Anlegende bei 46 Prozent, Nicht-Anlegende bei nur 16 Prozent. Beim Verhalten von Cash in einem Börsencrash standen 47 Prozent rund 21 Prozent gegenüber, beim Herdenverhalten 73 gegenüber 42 Prozent.

Ein zweites Muster verstärkt das Bild. Wer keine Wertschriften besitzt, wählte im Durchschnitt bei 36 Prozent der Fragen die Antwort «Weiss nicht», während es bei Anlegenden nur 9 Prozent waren. Diese Unsicherheit ist nicht nur fehlendes Wissen, sondern auch fehlendes Zutrauen, überhaupt eine Einschätzung zu wagen.
Dasselbe Muster kennen wir aus den Vorjahren von den geschlechtsspezifischen Unterschieden, und es passt zu einer breiten Forschungslage: Ein erheblicher Teil von Wissensunterschieden zeigt sich weniger in falschen Antworten als in der Zurückhaltung, überhaupt zu antworten. Der erste Kontakt mit dem eigenen Portfolio scheint hier vieles zu verändern.
Anteil «Weiss nicht»-Antworten nach Finanzanlagen
Durchschnitt über alle zehn Fragen.
Kapitel 02 / 06
Dass Männer in unseren Erhebungen besser abschneiden als Frauen, ist keine Überraschung mehr – auch 2026 gilt es, und zwar in jeder einzelnen Frage (66 gegenüber 47 Prozent im Mittel). Neu ist, was die Anlage-Dimension dazu beiträgt. Rund zwei Drittel der Männer besitzen eigene Anlagen, aber nur knapp die Hälfte der Frauen.
Korrekt beantwortete Fragen im Mittel nach Geschlecht
Durchschnitt über alle zehn Fragen.
«Hinzu kommt ein Muster, das wir seit der ersten Ausgabe sehen: Frauen antworten häufiger mit «Weiss nicht». Ein Teil des Gefälles ist also keine Frage des Wissens, sondern des Zutrauens.
Man könnte vermuten, dass Finanzwissen mit der Lebenserfahrung wächst. Unsere Daten geben das nicht her: Zwischen der jüngsten und der ältesten Gruppe liegen nur zwei Prozentpunkte. Auf der Gesamtebene spielt das Alter schlicht keine Rolle.
Sichtbar wird es erst im Detail – und dort in zwei Richtungen zugleich. Ältere Teilnehmende erzielten bei Fragen zur Inflation, Aktien und dem Zusammenhang von Risiko und erwarteter Rendite bessere Ergebnisse, während jüngere Befragte beim Wissen zu ETF stärker abschnitten.
Anteil korrekter Antworten nach Alter
Durchschnitt über alle zehn Fragen.
Kapitel 03 / 06
Bildung und Einkommen gehören zu den stabilsten Mustern der Studienreihe – und 2026 ist keine Ausnahme. Wer eine höhere Schulbildung mitbringt, beantwortet rund 64 Prozent der Fragen richtig, gegenüber 40 Prozent bei tieferer Bildung.
Beim Einkommen reicht die Spanne von 40 Prozent in der untersten bis 72 Prozent in der obersten Gruppe, und sie steigt fast stufenlos an.
Nach Schulbildung
«Wie beim Geschlecht zeigt sich, dass sich Bildungs- und Einkommensunterschiede nicht nur im konkreten Wissen, sondern auch im Ausmass der Unsicherheit niederschlagen:
Nach Einkommen (CHF / Monat)
Der Anstieg verläuft fast stufenlos über alle Einkommensgruppen.
Über Ursache und Wirkung sagen die Umfragedaten nur wenig aus. Die Forschung – etwa die viel zitierte Arbeit von Lusardi und Mitchell (2014) – legt nahe, dass Finanzkompetenz nicht nur Folge, sondern auch Treiber wirtschaftlichen Erfolgs ist. Die Wirkung verläuft also vermutlich in beide Richtungen.
Wie beim Geschlecht zeigt sich, dass sich Bildungs- und Einkommensunterschiede nicht nur im konkreten Wissen, sondern auch im Ausmass der Unsicherheit niederschlagen: Teilnehmende mit geringerer Bildung und tiefem Einkommen antworteten deutlich häufiger mit «Weiss nicht».
Kapitel 04 / 06
Der regionale Unterschied bleibt bestehen. In der Deutschschweiz beantworteten die Befragten im Durchschnitt rund 58 Prozent der Fragen korrekt, in der Westschweiz waren es rund 46 Prozent.
Bei den grundlegenden Konzepten wie Zinseszins, Inflation und Diversifikation lagen beide Regionen im letzten Jahr nahezu gleichauf. In diesem Jahr zeigt sich jedoch eine deutliche Verschlechterung in der Westschweiz. Die Quote richtiger Antworten sank von 73 Prozent im Jahr 2025 auf 68 Prozent in diesem Jahr.
Anteil korrekter Antworten nach Sprachregion
«Auf die Frage nach den Vorteilen von ETFs antworteten bemerkenswerte 50 Prozent mit «Weiss nicht». Dieser Unterschied dürfte unter anderem mit den unterschiedlichen Anlagepräferenzen in den beiden Sprachregionen zusammenhängen.
Bemerkenswert ist auch der hohe Anteil von «Weiss nicht»-Antworten in der Westschweiz (28 Prozent im Vergleich zu 19 Prozent in der Deutschschweiz). Auf die Frage nach den Vorteilen von ETFs antworteten bemerkenswerte 50 Prozent mit «Weiss nicht». Dieser Unterschied dürfte unter anderem mit den unterschiedlichen Anlagepräferenzen in den beiden Sprachregionen zusammenhängen. Unsere ETF-Studie zeigt, dass in der Deutschschweiz häufiger in ETFs investiert wird als in der Westschweiz – ein weiterer Beleg dafür, wie eng eigene Anlageerfahrung und Finanzwissen zusammenhängen.
Eine Studie darüber, wie Schweizerinnen und Schweizer ihr Geld anlegen.
True Wealth ETF-StudieZur ETF-StudieKapitel 05 / 06
Mit 5,5 von 10 Punkten liegt die Finanzkompetenz der Schweizer Bevölkerung auf einem mittleren und über drei Jahre erstaunlich stabilen Niveau.
Doch wer die grundlegenden Prinzipien des Umgangs mit Geld nicht kennt, kann langfristig keine guten Entscheidungen treffen – und damit auch keine Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft übernehmen.
Der diesjährige Befund verleiht dieser Einsicht eine praktische Wendung. Einer der grössten Unterschiede im Finanzwissen verläuft nicht entlang von Alter oder Region, sondern zwischen jenen, die investieren, und jenen, die es nicht tun.
Mit der dritten Ausgabe liegt nun eine Zeitreihe über drei Jahre vor. Die Ergebnisse der ersten Erhebung aus dem Jahr 2024 finden Sie hier, jene aus dem Jahr 2025 hier.

Zehn Fragen, dieselben, die der Studie zugrunde liegen. Am Ende steht Ihr eigener Wert neben dem Schweizer Durchschnitt von 5,5.
Kapitel 06 / 06
Der True Wealth Finanzkompetenzindex misst das Finanz- und Anlagewissen der Schweizer Bevölkerung und erlaubt eine detailliertere Analyse nach soziodemografischen Merkmalen.

Michael J. Kendzia ist Programmdirektor für den Bachelor in International Management an der ZHAW School of Management and Law. Er studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und der Warsaw School of Economics und promovierte 2010 an der Universität Köln.

Die GfK Switzerland AG (bis Dezember 2008 IHA-GfK AG) mit Sitz in Rotkreuz ist das grösste Marktforschungsinstitut der Schweiz. Seit 1999 gehört es zur deutschen GfK Gruppe in Nürnberg, einem der fünf grössten Marktforschungsunternehmen der Welt.

True Wealth wurde 2013 von Oliver Herren, Mitgründer der Digitec Galaxus AG, und Felix Niederer, Physiker und Portfoliomanager, gegründet. Die Online-Plattform hat sämtliche Prozesse der modernen Vermögensverwaltung konsequent automatisiert und bietet ihren Kundinnen und Kunden mit Domizil Schweiz eine kostengünstige Vermögensverwaltungslösung. Das Unternehmen verwaltet Kundenvermögen in Höhe von mehr als 3 Milliarden Schweizer Franken, verteilt auf über 50’000 Kundenbeziehungen.
2026