
Die Kosten des Market Timings: Ein Blick auf den SMI
Market Timing scheint auf den ersten Blick eine verlockende Strategie zu sein: Kaufen, wenn die Preise niedrig sind, und verkaufen, wenn sie hoch sind. Für die meisten Privatanleger – und viele Profis – wird es jedoch schnell zum Glücksspiel. Erfahren Sie, warum der Ansatz leicht zur Kosten- und Renditefalle wird und die «langweilige» Lösung gewinnt.
Werfen wir einen genaueren Blick darauf, weshalb Market Timing riskant ist und warum es sich auszahlt, während des Auf und Abs der Märkte investiert zu bleiben.
Die Kosten verpasster Chancen
Das grösste Risiko beim Market Timing ist nicht der nächste Crash, sondern das Verpassen der Erholung. Historische Daten des Swiss Market Index zeigen: Die renditestärksten Tage folgen oft unmittelbar auf die heftigsten Kursstürze.
Ein Beispiel ist der 10. Oktober 2008: Im Zuge der Lehman-Pleite stürzte der SMI um 7,8 Prozent ab. Nur drei Tage später, am 13. Oktober, schoss er um 11,4 Prozent nach oben, als die Rettungspakete verkündet wurden. Wer aus Panik verkauft hatte, musste den historischen Kurssprung von der Seitenlinie aus ansehen.
Gewiss, nur an wenigen Börsentagen ist die Volatilität so hoch wie im Oktober 2008. Doch ein Grossteil der langfristigen Rendite wird an nur sehr wenigen Handelstagen erzielt.
Die Kosten des Market Timings auf lange Sicht
Historisch betrachtet erzielen Anleger, die unabhängig von Marktschwankungen investiert bleiben, deutlich bessere Ergebnisse als diejenigen, die versuchen, den optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen.
Wer zwischen 2006 und 2025 auch nur den besten Tag verpasste, büsste im Vergleich zur Buy-and-Hold-Strategie über 30 Prozent Rendite ein. Beim Verpassen der fünf besten Tage halbierte sich der kumulierte Vermögenszuwachs beinahe.
Die übersehenen Kosten des Market Timings
Wer versucht, den Markt zu «timen», kämpft nicht nur gegen die Statistik, sondern auch gegen ein intransparentes Gebührenmonster. Neben den aufgezeigten Opportunitätskosten verursacht Market Timing besonders für Schweizer Anleger vergleichsweise hohe Gebühren und Abgaben.
Jeder Trade löst in der Schweiz die Stempelabgabe aus. Diese beträgt für den Käufer und den Verkäufer je 0,75 Promille für inländische Titel (wie Schweizer ETFs) und 1,5 Promille für ausländische Wertpapiere. Hinzu kommen die Courtagen des Brokers, oft als Mindestgebühr oder prozentuale Belastung.
Ein Buy-and-Hold-Anleger trägt diese Kosten nur beim Initialinvestment und bei der Veräusserung, allenfalls auch bei den allfälligen Rebalancings. Ein Market Timer zahlt dagegen bei jedem Versuch, den Markt zu schlagen, Abgaben an Staat und Bank.
Werden ausländische Aktien in einer Fremdwährung gehandelt, schlagen Banken oft eine Marge auf den Wechselkurs (FX-Markup) auf, statt den Interbanken-Kurs weiterzugeben.
Unterschätzt werden die impliziten Kosten. Dazu gehört der sogenannte Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Je aktiver Sie handeln, desto öfter zahlen Sie diese Handelsspanne. Dazu kommt die Slippage: Just in dem Zeitpunkt, in dem Sie die Order platzieren, bewegt sich der Markt wie von Geisterhand gegen Sie.
Während Ihr Broker explizite Transaktionskosten als Courtagen und Stempelsteuern ausweist, bleiben die impliziten Transaktionskosten und der FX-Markup meist verborgen. Letztere sind häufig sogar höher als die ausgewiesenen Gebühren und Steuern. Beiden Transaktionskosten ist gemein, dass sie Ihre Rendite schmälern.
«Buy and Hold» Strategie
Insgesamt zeigen die Kosten des Market Timing, dass dieser Ansatz oft teurer ist, als es auf den ersten Blick scheint. Die über viele Jahre auflaufenden Transaktionskosten belasten Ihr Portfolio wie ein negativer Zinseszinseffekt.
Wenn es sichere Signale für das Market Timing gäbe, würden viele sie nutzen.
Letztendlich ist es besser, eine Anlagestrategie zu verfolgen, die den eigenen finanziellen Zielen und dem individuellen Risikoprofil entspricht. Eine solide, langfristige Strategie, die Marktschwankungen berücksichtigt, hilft, die Kostenfalle des Market Timing zu vermeiden und die langfristigen Rendite zu maximieren.
Wer sehr häufig tradet, riskiert im ungünstigsten Fall sogar, vom Steuerkommissär als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler eingestuft zu werden. Dann werden eine Reihe von weiteren Abgaben auf den realisierten Ertrag fällig.
Unser Tipp: Investieren Sie in Zeit, nicht in Timing.
Über den Autor

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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