«Frauen, traut Euch zu investieren!»

Felix Niederer12/06/2021

Wir sassen mit Schweizer "Finfluencerin" Aysha van de Paer für ein exklusives Interview zusammen, um über ihre Finanztipps für Frauen zu sprechen und weshalb sie ein grosser Fan von Robo-Advisors wie True Wealth ist.

Erinnerst Du Dich an Deinen ersten Berührungspunkt mit dem Thema Geldanlage?

Ich war sehr jung *lacht*. Ich war 16 und bereit zu investieren, was auch immer das damals bedeutete.

Wie die meisten Leute, die es nicht besser wissen, ging ich zur Bank und liess mir einen Investmentfonds aufschwatzen, von dem versprochen wurde, wirklich gut zu sein. Also legte ich dort mein Geld an und – wie man sich vorstellen kann – lief es nicht so gut! Es war keine totale Katastrophe, aber das Vermögen wuchs nicht, und ich verstand nicht weshalb. Als meine Investition ins Negative kippte, habe ich schliesslich alles verkauft.

Welche Tipps würdest Du einer kompletten Anfängerin geben?

Da gibt es viele. Einer ist: fang so früh wie möglich an. Zweitens: Geh nicht den traditionellen Weg. Keine Bankprodukte und erst recht keine Versicherungsprodukte.

Suche nach modernen, kostengünstigen Möglichkeiten der Geldanlage. Und setze auf Langfristigkeit, jage nicht dem schnellen Gewinn hinterher. Und bleib über die Zeit konsequent bei deiner Anlagestrategie.

Hast Du einen besonderen Rat für Frauen, die gerade erst ins Berufsleben einsteigen?

Sicher, auch da gibt es einige.

Ich stand auch einmal am Anfang meiner Karriere und dachte, dass mich all diese geschlechtsspezifischen Nachteile nicht betreffen würden, da ich ehrgeizig und gut ausgebildet bin. Dann kam das Leben und ich habe gemerkt, dass das System, selbst wenn man alles irgendwie richtig macht, uns Frauen ein Leben lang finanziell stark benachteiligt, vor allem wenn man Kinder hat.

Sich nur auf die Rente oder die AHV zu verlassen, reicht nicht mehr aus, vor allem nicht für Frauen. Der grösste Teil der Rentenlücke wird durch Berufsunterbrüche oder ein reduziertes Arbeitspensum verursacht.

Deshalb müssen wir Frauen die Dinge wirklich selbst in die Hand nehmen und mehr investieren, um für die Zukunft zu planen.

Du bietest Kurse für Frauen an, die mehr über die Welt der Finanzen und das Investieren erfahren wollen. Bitte erzähle uns mehr darüber.

Im Grunde biete ich nur eines an: ein 4-wöchiges Online-Programm, das sowohl Videolektionen als auch Live-Unterricht sowie Q&As beinhaltet. Die Teilnehmerinnen haben ein Jahr lang Zugang zu allen Unterlagen, um sicherzustellen, dass sie alles Erlernte auch in die Tat umsetzen können.

Es geht darum zu lernen, wie und wo man investiert, während wir verschiedene Anlageplattformen in ganz Europa analysieren. Ein besonderer Schwerpunkt sind evidenzbasierte Anlagestrategien und Portfolios, die auf die persönlichen Werte abgestimmt sind.

Da ich Schweizerin bin und in der Nähe von Zürich lebe, sind ca. 70% der Mitgliederinnen in der Schweiz ansässig, während der Rest in anderen europäischen Ländern lebt. Unter unseren ca. 500 Mitgliederinnen sind viele Geschäftsfrauen mit Auslandserfahrung, ähnlich wie ich selbst.

Die meisten Finanzdienstleistungen und Rentensysteme sind für Menschen konzipiert, die ihr ganzes Leben in ihrem eigenen Land verbringen. Daher gibt es einen klaren Bedarf an zusätzlicher Beratung für Fachkräfte mit internationaler Mobilität.

Da das Programm für Vielbeschäftigte konzipiert ist, bemühen wir uns, es so zeitsparend wie möglich zu gestalten. Ich sollte hinzufügen, dass die Kurssprache Englisch ist.

Welche Vorteile siehst Du bei Robo-Advisors?

Da gibt es viele – ich bin ein grosser Fan von ihnen. Mir gefällt vor allem die niedrigere Kostenstruktur und die höhere Transparenz. Ausserdem die Tatsache, dass man die Entwicklung des eigenen Portfolios sehen kann, die allgemeine Benutzerfreundlichkeit, die Automatisierung dahinter und auch die Möglichkeit, es laufen zu lassen, selbst wenn man selbst sehr beschäftigt ist. So kann man auch dann konsequent investieren, wenn einem das Leben in die Quere kommt – und das ist sehr wichtig. Ich schätze auch, dass man ein Konto schnell eröffnen kann. All dies verringert die Hürden des Investierens.

Ich erinnere mich noch daran, als ich ein Konto bei einem Broker eröffnen wollte, als ich noch jünger war. Ich hatte die Hälfte des Prozesses hinter mir, dann musste ich einige Dokumente beglaubigen lassen, und zwei Monate später war es immer noch nicht erledigt.

Es ist erwähnenswert, dass der Robo-Advisor nicht Eigentümer des investierten Kapitals ist. Stattdessen wird das Geld auf ein Bankkonto im eigenen Namen überwiesen, der Robo-Advisor dient lediglich als kostengünstige und automatisierte Möglichkeit, in den Finanzmarkt zu investieren.

Wie und wann hast Du von True Wealth erfahren? Was gefällt Dir an uns?

Das ist schon sehr lange her *lacht*. Ganz am Anfang, als True Wealth 2014 an den Start ging. Die Idee hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Ich war auf der Suche nach einer solchen Lösung.

Viele Robo-Advisors sind sehr neu, True Wealth gibt es schon länger, verwaltet mehr Vermögen und ist dadurch besonders glaubwürdig. Wenn ich True Wealth in meinem Programm empfehle, weiss ich, dass ich die Leute nicht zu etwas schicke, von dem ich nicht weiss, ob es es nächstes Jahr noch existiert.

Und ich finde es sehr gut, dass man die Vermögensaufteilung nach Region und Anlageklasse anpassen und individuell gestalten kann. Bei anderen Robo-Advisors lässt sich bei der Auswahl eines nachhaltigen oder regulären Anlageuniversums zwischen 5-6 Profilen wählen. Bei True Wealth ist der Grad der Individualisierung einfach grösser, wenn man zum Beispiel mehr in Asien investieren möchte.

Zurück zu Frauen und Investitionen: Warum sind sie immer noch unterrepräsentiert?

Dafür gibt es so viele Gründe. Beginnen wir mit ein paar von ihnen.

Erstens ist es eine kulturelle Frage. Wenn Frauen aufwachsen, werden sie dazu angehalten, vorsichtiger zu sein und lieber zu sparen. Jungs und junge Männer werden ermutigt, risikofreudiger zu sein.

Hinzu kommt, dass viele Frauen keine Verbindungen zum Finanzsektor haben, der nach wie vor von Männern dominiert wird, wie z. B. männliche Anlageberater, die Investitionen naturgemäss aus der Sicht eines Mannes betrachten und sich schwer tun, die Vorlieben und langfristigen Ziele von Frauen zu verstehen.

Hinzu kommt der Aspekt, dass viele Frauen irgendwann ihr Berufsleben pausieren und sich bei Geld- und Anlageentscheidungen auf ihren Partner verlassen.

Wie motivierst Du Frauen, die letzte Meile zu gehen und endlich mit dem Investieren zu beginnen?

Da gibt es zwei Aspekte. Der erste besteht darin, ihnen klarzumachen: Investieren ist nicht optional und kein Nice to Have. Es ist ein Muss, die eigenen Ersparnisse zu vermehren und sie so einzusetzen, dass man im Ruhestand genug Geld hat, um den eigenen Lebensstandard abzusichern. Letztendlich geht es hier um finanzielle Sicherheit und Freiheit. Und es geht darum zu erklären, warum Frauen finanziell im Nachteil sind und warum es notwendig ist, die eigenen Ersparnisse anzulegen.

Ausserdem sind Frauen sehr risikoscheu, und um das zu überwinden, müssen sie mehr über Investitionen lernen.

Deshalb habe ich ein Programm entwickelt, mit dem sie lernen können, wie sie im Einklang mit ihren Werten investieren, ihre Ersparnisse vermehren, um finanzielle Sicherheit zu erlangen und sich auf den Ruhestand vorzubereiten, ohne stundenlang ihr Portfolio zu verwalten (oder sich darüber Sorgen machen zu müssen).

Genauer gesagt, lernen sie, welche Plattformen gut sind, welche Strategien es gibt, was ein ETF ist und wie er funktioniert. Sobald sie besser informiert sind, sind sie weniger ängstlich. Es ist wie mit allem im Leben. Wenn man erst einmal damit vertraut ist, ist es viel einfacher, den Schritt zu wagen und weitere Fortschritte zu machen.

Welche allgemeinen Anlagetrends hast Du auf dem Radar?

Ich bin ein langfristig orientierter Mensch, ich achte nur auf die Langfristigkeit und unterrichte nur langfristige Themen. Ich habe null Interesse an Daytrading oder Ähnlichem.

Strategisch schaue ich mir die grossen Trends an. Langfristige Trends hatten schon immer mehr Einfluss als kurzfristige Verwerfungen, Dinge wie eine alternde Bevölkerung, der Klimawandel, die sich verändernde Rolle der Finanzindustrie, neue Industrien oder Blockchain.

Welche Produkte oder Dienstleistungen fehlen noch auf dem Schweizer Markt?

Kostengünstige Anlagekonten für Kinder, günstige Spar- und Anlagepläne, kostenlose Fremdwährungsgeschäfte, Transparenz bei den Gebühren, insbesondere bei Währungsumrechnungen. Die meisten Robo-Advisors geben an, dass alles in ihren Gebühren inbegriffen ist, aber Währungsumtauschgebühren sind oft mit einem hohen Aufschlag verbunden! (Anm. d. Red.: Der Währungsumrechnungsaufschlag von True Wealth beträgt nur 0.1% oder 10 Pips auf den Interbankenkurs)

Ausserdem wäre so etwas wie thematisches Investieren, also der direkte Kauf von Gruppen ähnlicher Aktien in einer einzigen Finanztransaktion zu niedrigen Kosten, interessant.

Gibt es noch etwas, das Du hinzufügen möchtest, bevor wir das Interview beenden?

Ich habe einen Buchclub über Investitionen für berufstätige Frauen mit mehr als 2'000 Mitgliedern – und das kostenlos. Sprecht uns bei Interesse jederzeit an!

Vielen Dank für Deine Zeit und das Interview!

Aysha ist in der französischsprachigen Schweiz aufgewachsen und verfügt über mehr als ein Jahrzehnt Berufserfahrung im Bereich internationaler Immobilien-Private-Equity-Investitionen. Sie bietet einen kostenlosen Blog, einen Buchclub und ein kostenpflichtiges Programm «Invest at REST» an.

Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

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Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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