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Gestaffelt investieren

Gestaffelt investieren: Renditeverzicht für den ruhigen Schlaf

25.01.2024
Felix Niederer

Immer wieder empfohlen als konservative Strategie: Einen grossen Betrag nicht auf einmal zu investieren. Das kann man machen – wenn man auf Rendite verzichtet.

Haben Sie Ihr Haus verkauft? Eine Erbschaft gemacht? Oder sich die Pensionskasse auszahlen lassen? Dann denken Sie jetzt vermutlich darüber nach, wie Sie Ihr Kapital am besten anlegen. Und nicht nur wie – sondern auch wann: Ist eine grosse Einmalanlage sinnvoller oder die Aufteilung der Gesamtsumme auf mehrere kleine Einzahlungen?

Immer wieder empfohlen wird für solche Fälle als konservative Anlagestrategie: Einen grossen Betrag nicht auf einmal zu investieren. Sondern nach und nach über die Zeit gestaffelt. Das tönt im Grunde gut.

Denn bei einer einmaligen Investition besteht ja die Gefahr, dass sich die Finanzmärkte gerade auf einem Höchststand befinden und die Kurse in der nächsten Zeit sinken werden. (Auch wenn es natürlich genauso gut sein kann, dass die Kurse gerade in den nächsten Monaten steigen werden.)

Lohnt sich also eine zeitlich gestaffelte Investition?

Heimliches Markttiming

Das ist bereits die falsche Frage.

Ein gut diversifiziertes Portfolio hat auf lange Sicht immer den Versuch geschlagen, den richtigen Zeitpunkt zum Markteintritt und -austritt vorherzusagen. Geld, das Sie die nächsten zehn Jahre lang nicht brauchen, sollten Sie darum so schnell vollständig anlegen wie möglich. Und damit sollten Sie so früh anfangen, wie Sie können. Investieren Sie am besten alles auf einen Schlag, aber so, dass Sie auch nach Markteinbrüchen zu Ihrer Strategie halten können.

Alles andere ist Markttiming.

Das macht durchaus Sinn für die wenigen, die es können. Nur: Die allermeisten kurzfristig denkenden Trader sind nicht erfolgreich und geben bald auf. Und mittelfristig denkende Profis liegen auch nicht besser mit ihren Prognosen. Statistisch ist erwiesen: Der Versuch, den Markt zu timen, schadet der Rendite.

Hilft gegen Schmerzen

Psychologisch gesehen allerdings macht gestaffeltes Investieren durchaus Sinn. Jeder Mensch hat seine persönliche Schmerzgrenze. Viele Anleger reagieren bereits panisch, wenn eine Anlage von 100’000 Franken 20 Prozent verliert. Vielleicht gehören Sie aber auch zu den Hartgesottenen, die es ertragen können, wenn sich Ihre Anlage von 100’000 Franken kurzfristig halbieren würde?

Ob 20 Prozent oder 50 Prozent: Jeder Verlust schmerzt. Und selbst wenn die Märkte rückblickend betrachtet Rückschläge in der Regel spätestens nach zehn Jahren aufgeholt haben – sind Sie standfest genug, um diese Zeit abzuwarten? (Mit der Verlusttoleranz haben wir uns ausführlich in einem anderen Beitrag beschäftigt. Den Link finden Sie am Ende dieses Artikels.)

Ein Rückschlag auf Kapital, das sie vorher gewonnen haben, fällt dabei den meisten Anlegern leichter – so lange die ursprünglich angelegte Summe erhalten bleibt. Besonders gross allerdings sind die Schmerzen, wenn sich ein Verlust unmittelbar nach der Anlage einstellt. Denn dann trifft der Verlust nicht nur vergangene Gewinne. Sondern den Betrag, den Sie eingezahlt haben.

Wenn Sie also in nächster Zeit eine Korrektur befürchten, dann können Sie mit einer gestaffelten Anlage für einen ruhigeren Schlaf sorgen. Auch wenn Sie mit dieser Entscheidung – aller Erfahrung nach – auf Rendite verzichten werden.

Wie gestaffelt anlegen?

Falls Sie sich entschliessen, gestaffelt anzulegen, dann handeln Sie im Grunde wie jemand, der sein Vermögen erst aufbaut. Sie planen, wie viel Sie anlegen wollen. Entscheiden, wie oft Sie das tun. Und über welchen Zeitraum.

Sie könnten zum Beispiel Ihr Vermögen in 36 gleiche Raten teilen und über die nächsten drei Jahre verteilt monatlich die gleiche Summe anlegen. Oder 60 gleiche Raten über die nächsten fünf Jahre. Oder zwölf Raten jedes Quartal über die nächsten drei Jahre. Ganz, wie Ihnen das am besten passt. Ganz bequem und automatisch per Dauerauftrag.

Durchschnittskosten sorgen für Diversifikation

Während Sie nach so einem Plan regelmässig kleinere Beträge investieren, dann profitieren Sie von Cost-Averaging, auf deutsch auch Durchschnittskosteneffekt genannt.

Sie kaufen jedes Mal mit einer festen Summe Anteile an einem ETF. Bei hohen Kursen entsprechend weniger Anteile – und bei niedrigen Kursen mehr. Über einen längeren Zeitraum bildet sich so ein Durchschnittspreis.

Der Cost-Average-Effekt hat aber allenfalls bei kurz- und mittelfristigen Anlagen eine messbare Auswirkung. Je länger Ihr Anlageplan läuft, desto geringer fällt der Effekt aus. Denn jede einzelne Transaktion hat immer weniger Einfluss auf die Höhe des Durchschnittspreises, zu denen die Anteile erworben werden.

Cost-Averaging ist eine tolle Sache. Vor allem für diejenigen, die Ihr Vermögen erst aufbauen. Wir haben gezeigt, dass es besser ist, regelmässig anzulegen und auch nach Verlusten keine Raten auszulassen. (Siehe Link am Ende dieses Artikels.)

Reicht Cost-Averaging für die Diversifikation?

Auf den ersten Blick sorgt eine gestaffelte Investition auch für eine Diversifizierung des Portfolios. Denn bei der Investition in verschiedene Anlageklassen werden automatisch mehr Anteile derjenigen ETF gekauft, bei denen die Kurse niedrig stehen. Bei hohen Kursen erwirbt der Anleger nur eine geringere Anzahl.

Auf die Dauer führt gestaffeltes Investieren aber nicht zu einer besseren Diversifikation des Portfolios. Die Anteile der verschiedenen Anlageklassen verschieben sich nämlich mit den Kursschwankungen. Eine Anlage, die eigentlich nur 20 Prozent des Portfolios ausmachen soll, kann bei steigenden Kursen schnell einen Anteil von 30 Prozent oder mehr erreichen.

Aus diesem Grund reicht der Durchschnittskosteneffekt allein nicht für eine gute Diversifikation. Über die lange Frist braucht es zwingend ein Rebalancing. Wie wir bei True Wealth Rebalancing für unsere Kunden machen und warum das für ein diversifiziertes Portfolio wichtig ist, darüber lesen Sie hier.

Rebalancing ist besser als Staffeln

Rebalancing sorgt nicht nur für gute Diversifikation auf Dauer. Sondern auch für genau den Effekt, den sich viele vom gestaffelten Anlegen versprechen.

Was, wenn Sie eine Korrektur am Aktienmarkt nicht nur befürchten, sondern planvoll auf diese Gelegenheit als Chance warten? Dann wäre es sinnvoll, sie hätten noch nicht alles investiert. Sondern noch Cash in der Hinterhand – und könnten Aktien zu niedrigeren Kursen kaufen.

Genau das passiert in einem gut diversifizierten Portfolio von allein: Nach Rückschlägen am Aktienmarkt ist der Anteil von Aktien kleiner geworden, der von Obligationen am Portfolio gewachsen. Im Rebalancing werden genau dann Aktien nachgekauft, wenn diese besonders günstig sind.

Wenn Sie Ihr Portfolio von True Wealth verwalten lassen, geschieht das Rebalancing ganz automatisch, ohne dass Sie etwas dafür tun müssen und ohne Mehrkosten für Sie. Denn alle Transaktionskosten sind in der Verwaltungsgebühr inklusive.

Links

Eine frühere Version dieses Artikels wurde am 08.03.2018 veröffentlicht.

Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

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Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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