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Felix Niederer und Oliver Herren

«Es lohnt sich, Ihre Gefühle nicht so wichtig zu nehmen. Schauen Sie lieber mal weg.»

Felix Niederer

Investieren Sie regelmässig – auch nach Verlusten

08.09.2015
Felix Niederer

Beim Investieren schwankt die Stimmung mit der Performance im Portfolio. Das ist zwar sehr menschlich, leider aber völlig falsch für eine gute Performance.

Wer sein Portfolio beobachtet und sieht, wie dessen Wert schwankt, dessen Gefühle geraten auch schnell einmal ins Wanken. Haben die Investments gut performt, dann steigt die Stimmung. Manchmal wird aus Freude sogar Gier. Geht es abwärts, dann fällt die Stimmung. Das beginnt als leises Unbehagen, manchmal steigert es sich zu Angst.

Ihrer Stimmung entsprechend kaufen viele Anleger besonders viel, wenn ihr Portfolio gut gelaufen ist – investieren aber nicht, wenn es Einbussen erlebt hat (oder schlimmer noch: sie verkaufen dann). Das ist menschlich – für die Performance aber genau das Falsche.

Was für einen Unterschied es für die Performance macht, wenn Sie beim Timing Ihrer Anlagen nach Ihrem Gefühl entscheiden, möchten wir Ihnen heute am Beispiel von zwei Portfolios zeigen.

Rational vs. emotional

Lassen Sie uns zwei typische Anleger erfinden, Rita und Emil. Für jeden von ihnen simulieren wir ein Portfolio. Beide beginnen ihre Geldanlage im Januar 1999 mit einer Einlage von 1000 Franken. Später haben sie die Möglichkeit, pro Monat weitere 1000 Franken aus ihren Ersparnissen zu investieren.

Rita legt ihre Ersparnisse jeweils am 1. jedes neuen Monats an. Sie handelt rational, ihr Verhalten wird sich als sinnvoll und richtig herausstellen.

Emil hingegen lässt seine Ersparnisse oft auf dem Konto. Er investiert nur dann, wenn sein Portfolio im Plus liegt. Ende August 2001 ist seine Gesamtrendite negativ und dreht erst ab Juli 2005 wieder in den positiven Bereich. Emil hat also viel Nachholbedarf – er investiert gleich 47’000 Franken auf einmal.

Monatliche Einlagen

Für unser Gefühl klingt Emils Haltung gar nicht schlecht: Er hat sich während der unangenehmsten Zeit aus dem Markt herausgehalten und erst dann wieder angelegt, als der neue Aufwärtstrend sicher begonnen hat. Emil handelt emotional, seine Performance wird am Ende enttäuschen.

Nur das Timing macht den Unterschied

Lassen Sie uns für unser Beispiel annehmen, dass Rita und Emil beide in den SMI investieren. (Bei True Wealth würden Rita und Emil natürlich nicht nur in den SMI, sondern in ein individuelles und über alle Anlageklassen global diversifiziertes Portfolio investieren. Aber wir wollen die Rechnung hier einfach halten.)

Für das Geld, das sie tatsächlich angelegt hatten, waren ihre Renditen identisch. Wir können darum die beiden Portfolios hervorragend vergleichen. Der einzige Unterschied zwischen den Portfolios von Rita und Emil ist, wann neues Geld für die Anlage bereitgestanden hat – und das war bei Emil durchgängig später der Fall.

Emotional ist am Ende enttäuschend

Nichts gegen Emils Portfolio: Immerhin hat er überhaupt Ersparnisse gebildet und diese von Zeit zu Zeit auch sinnvoll angelegt. Nach den 14 Jahren unserer Simulation sind aus seinen Ersparnissen von 200’000 Franken immerhin über 287’456 Franken geworden. Enttäuschend ist allerdings der Vergleich mit Ritas Portfolio. Sie hat ebenfalls 200’000 Franken angelegt, hat diese aber auch regelmässig investiert. Ihr Portfolio hat am Ende einen Wert von 307’773 Franken – ganze 20’317 mehr als jenes von Emil.

In Prozent ausgedrückt geht es um einen Unterschied von 7.1 Prozent. Dieses Plus hat Rita zum einen dem Wunder des Zinseszinses zu verdanken. Denn sie hat immer angelegt, sobald Ersparnisse verfügbar waren, ihr Geld konnte also länger für sie arbeiten. Ausserdem hat sie zwar während der Abwärtsphasen auf ihren bestehenden Investments Verluste gemacht, aber während dieser billigen Phasen immer auch zugekauft. Wenn sich der Markt dann erholt hat, so hat sich das für Rita richtig gelohnt.

Dass Emil aus seiner Sicht das Richtige getan hat, nämlich ab Ende August 2001 mit weiteren Investments zu warten, hat ihm tatsächlich geholfen. Leider jedoch nur sehr kurzfristig. Vor allem während dem Jahr 2002 liegt sein Portfolio im Vergleich vor dem von Rita. In der langen Frist jedoch hängt Rita mit ihren regelmässigen Investments Emils emotionales Portfolio deutlich ab.

Ein Fehler kommt selten allein

Für unsere Simulation haben wir genau nur einen Unterschied angenommen: das unterschiedliche Timing von Neuanlagen. Im echten Leben steht allerdings zu befürchten, dass Anleger mit Emils Haltung nicht nur diesen einen Fehler begangen hätten. Sondern gleich noch ein paar mehr der typischen emotionalen Anlegerfehler.

Zum Beispiel wäre es denkbar, dass Emil im 2002 nicht nur auf neue Einzahlungen verzichtet hätte, sondern ausserdem auch noch alle seine bestehenden Investments verkauft hätte. Zu einem Zeitpunkt, als sie richtig tief im Minus waren – als der Schmerz gross war und die Angst noch grösser. Bedauerlicherweise hätte er dann wenig Werte im Portfolio gehabt, die sich anschliessend hätten erholen können. Das hätte ihn dann noch weit mehr Rendite gekostet als nur die 7.1 Prozent Unterschied zu Ritas Performance.

Wie viel Rendite emotionale Anleger verschenken, das untersucht jedes Jahr wieder die Forschungsstelle DALBAR in ihrem jährlichen Report «Quantitative Analysis of Investor Behavior». In der Ausgabe von 2014 kommt sie auf eine Differenz von 4,2 Prozent. Um so viel schneidet der durchschnittliche Privatanleger schlechter ab als der breite amerikanische Aktienindex S&P 500. Dieser Wert ist stabil, rund vier Prozent sind es in allen Jahren, seit DALBAR die Erhebung durchführt.

Regelmässig investieren lohnt sich

Regelmässig investieren, auch wenn das Portfolio im Minus liegt. Nicht verkaufen, weil das Portfolio im Minus liegt. Das sind die beiden Regeln, die wir aus unserem Vergleich lernen können. Bleiben Sie mit Ihren Investitionen immer dabei – auch nach Verlusten. Es lohnt sich, Ihre Gefühle nicht so wichtig zu nehmen. Schauen Sie lieber mal weg.

Das ist nicht immer einfach, wenn man sich die Performance jeden Tag ansieht. Dabei könnten Sie, wenn Sie wollten, durchaus auch mal wegschauen. Denn mit einer Vermögensverwaltung wie der von True Wealth sorgen Profis für die Details im Anlageprozess.

Für ein Mindestmass an Disziplin müssen Sie trotzdem selber sorgen: Sorgen Sie für regelmässige Einzahlungen. Die stellen Sie am besten mit einem Dauerauftrag auf Autopilot. Das ist nicht nur ausserordentlich bequem, sondern wird sich aller Erfahrung nach langfristig als absolut richtige Entscheidung erweisen.

Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

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Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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