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Talk - Was macht eigentlich die Schweizerische Nationalbank?

17.10.2023
Felix Niederer
Zu Gast: Dr. Dominik Boos, Dozent ZHAW und ehemaliger Anlagestratege bei der SNB

In diesem Coffee Talk sprechen wir mit einem ganz besonderen Gast, Dominik Boos, Dozent am Institut für Wealth and Asset Management an der ZHAW, zum Thema «Was macht eigentlich die Schweizerische Nationalbank?».

Dominik Boos ist kein Unbekannter in der Finanzwelt. Er verbrachte drei Jahre damit, die Anlagestrategie für die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu entwickeln, weshalb er die SNB von innen und aussen bestens kennt.

Die Rolle der Schweizerischen Nationalbank

Dominik: Die Schweizerische Nationalbank hat mehrere wichtige Funktionen, aber ihre oberste Priorität liegt darin, die Inflation in der Schweiz zu kontrollieren. Sie hat ein klares Inflationsziel festgelegt, nämlich die Inflation unter 2 Prozent zu halten. Diese Zielsetzung ist zwar nicht allzu spezifisch formuliert, in der Praxis strebt die SNB jedoch normalerweise eine Inflationsrate von etwa 1 Prozent an, wobei sie betont, dass die Inflation im positiven Bereich liegen muss. Neben der Inflationskontrolle spielt die SNB auch eine entscheidende Rolle in der Stabilität des schweizerischen Bankensystems und hat die Fähigkeit, in Krisenzeiten uneingeschränkte Mittel bereitzustellen. Schliesslich hat sie den allgemeinen Auftrag, das wirtschaftliche Umfeld in der Schweiz stabil zu halten.

Die Ursachen der Inflation

Dominik: Die Entstehung der Inflation ist ein komplexes Thema. Die Inflation in der Schweiz wird zum Teil durch importierte Inflation beeinflusst, insbesondere aus Europa. Aber selbst die Inflation in Europa hat ihre eigenen Ursachen, und wenn man weiter fragt, stösst man auf die Inflation in den USA. Hier wird es etwas kniffliger. Die globale Inflation ist ein komplexes Phänomen, und die Ursachen sind vielfältig. Ein Grund dafür könnte die Pandemie sein, die zu Lieferengpässen und einer Unterbrechung der Lieferketten geführt hat. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Ukraine-Konflikt, der speziell im Energiesektor zu Inflation geführt hat. Es gibt auch demografische Verschiebungen, die sich auf die Inflation auswirken. Kurz gesagt, die Inflation ist ein globales Phänomen mit zahlreichen Ursachen.

Die Instrumente zur Inflationsbekämpfung

Dominik: Die Nationalbank verfügt über zwei Hauptinstrumente, um die Inflation zu bekämpfen. Das erste Instrument besteht darin, die Zinssätze zu erhöhen, um die Wirtschaft abzukühlen. Dies geschieht, um die Nachfrage zu reduzieren, da höhere Zinsen Investitionen teurer machen und die Kreditnachfrage dämpfen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Hypothekenzinsen, die in der Schweiz stark gestiegen sind. Dies führt dazu, dass Menschen mehr für Hypothekenkredite zahlen müssen und somit weniger Geld zur Verfügung haben. Das kann den Konsum dämpfen und die Inflation abschwächen.

Das zweite Instrument besteht darin, die Geldmenge zu steuern, obwohl dieser Ansatz in den letzten Jahren in Verruf geraten ist. Dennoch spielt die Geldmenge eine Rolle bei der Inflation. Die Nationalbank kann jedoch nicht viel gegen strukturelle Inflation tun, die beispielsweise durch demografische Veränderungen verursacht wird. In solchen Fällen kann die Nationalbank nur konjunkturelle Massnahmen ergreifen, um die Wirtschaft abzukühlen.

Die Herausforderungen der Inflationsbekämpfung

Dominik: Inflationsbekämpfung ist oft schmerzhaft. Inflation betrifft in der Regel die breite Bevölkerung, insbesondere die unteren und mittleren Einkommensgruppen. Die Menschen leiden unter steigenden Preisen, was zu einer Enteignung führen kann. Es ist politisch schwierig, hohe Inflation zu rechtfertigen, da sie die Unzufriedenheit in der Bevölkerung verstärkt.

Die Nationalbanken haben oft den Spitznamen «Rezessionsmaschinen», da sie die Wirtschaft abwürgen müssen, um die Inflation zu bekämpfen. Das klingt zwar nicht gut, ist aber oft notwendig. Es gibt keine einfache Möglichkeit, die Inflation zu beseitigen, ohne dass es schmerzhafte Auswirkungen gibt.

Inflation in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern

Dominik: Die Schweiz hat einige strukturelle Unterschiede zu anderen Ländern, die die Inflationsrate dämpfen. Einer der Gründe ist die starke Währungspolitik der SNB. Die SNB hat den Schweizer Franken im Verhältnis zum Euro abgewertet, um die importierte Inflation aus der Eurozone auszugleichen. Dies hat dazu beigetragen, dass importierte Inflation in der Schweiz nicht so stark spürbar ist.

Ein weiterer Grund sind die höheren Preise in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern. In der Schweiz sind die Margen für Unternehmen oft höher, was bedeutet, dass sie Preiserhöhungen abfedern können, ohne sie sofort an die Verbraucher weiterzugeben. Darüber hinaus gibt es viele administrierte Preise, wie den Referenzzinssatz für Mieten, der in der Schweiz die Mieterhöhungen begrenzt. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Inflation in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern geringer ist.

Ausblick auf die Inflationsbekämpfung

Dominik: Es gibt bestimmte globale Faktoren wie demografische Veränderungen und den Fachkräftemangel, die die Inflation antreiben und auf welche die Nationalbanken nur begrenzten Einfluss haben. Sie können konjunkturelle Massnahmen ergreifen, um die Inflation zu dämpfen, aber es ist schwierig vorherzusagen, ob dies ausreichen wird. Die strukturelle Inflation kann durch solche Massnahmen nicht vollständig behoben werden. Daher bleibt die Inflationsbekämpfung eine komplexe Aufgabe, und die Nationalbanken müssen genau abwägen, wie sie reagieren.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Schreiben Sie gerne eine E-Mail an Felix Niederer. Bis bald!

Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

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Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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