#71 Sind «Gratis ETF-Sparpläne» wirklich kostenlos?
ETF-Sparpläne sind populär. Das ist grundsätzlich sehr erfreulich. Viele Sparpläne werden in der Werbung sogar als komplett gebührenfrei angepriesen. Es lohnt sich jedoch, genau hinzuschauen, was hinter diesen vermeintlichen Gratis-Angeboten steckt.
Wenn Online-Broker aus dem In- und Ausland mit «kostenlosen» Sparplänen werben, ist Skepsis angebracht. Zwar verzichten gewisse Anbieter tatsächlich auf eine Kommission für den Kauf der ETF-Anteile, wodurch keine direkten Handelsgebühren anfallen. Doch nur weil Ihnen sogenannte Courtagen erspart bleiben, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie beim Erwerb der ETF ein gutes Geschäft machen.
Der Trick mit der Handelsspanne
Der Grund dafür liegt in der Funktionsweise des Börsenhandels. Solange eine Börse geöffnet ist, gibt es für hochliquide Wertpapiere wie grosse ETF eigentlich immer Marktteilnehmer, die bereit sind, zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Bei kleineren ETF kann es jedoch vorkommen, dass vorübergehend die Nachfrage fehlt. Um die Liquidität dennoch zu gewährleisten, kommen sogenannte «Market Maker» zum Einsatz. Diese halten auf eigene Rechnung ein kleines Lager von Wertschriften und stellen im Börsensystem konstant ein Kauf- und ein Verkaufsangebot bereit.
Da der Market Maker für sein Risiko entschädigt werden will, unterscheiden sich diese beiden Preise. Wer kauft, zahlt einen leicht höheren Preis, als wer verkauft. Diesen Preisunterschied nennt man Handelsspanne oder «Bid/Ask-Spread».
Hier setzen viele Sparplan-Anbieter an: Je nach Modell leiten sie Kaufaufträge an einen weniger stark frequentierten Börsenplatz weiter, an dem sie eine Vereinbarung mit einem Market Maker haben. Da dieser dort kaum Konkurrenz geniesst, kann er die Kurse weit auseinanderstellen – die Handelsspanne wird grösser. Den daraus resultierenden Gewinn teilt er sich anschliessend mit dem Sparplan-Anbieter.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Sie zahlen für Ihre ETF-Anteile indirekt mehr, als Sie eigentlich müssten. Beim späteren Verkauf wiederholt sich dasselbe Spiel: der Erlös ist geringer als erhofft. Ist zusätzlich eine Fremdwährung im Spiel, fällt eine weitere versteckte Handelsspanne beim Devisenkurs an.
Versteckte Provisionen bei den Verwaltungskosten
Es gibt noch weitere Einnahmequellen, die Ihre Rendite schmälern können. ETF sind zwar für ihre tiefen Verwaltungskosten bekannt, doch auch hier existieren erhebliche Unterschiede. Anbieter von vermeintlichen Gratis-Sparplänen haben oft ein wirtschaftliches Interesse daran, ihren Kundinnen und Kunden früher oder später Produkte schmackhaft zu machen, die etwas teurer sind.
Hintergrund sind häufig Vereinbarungen mit dem jeweiligen «ETF-Provider» (dem Emittenten), der dem Broker für die Platzierung Vertriebsprovisionen – sogenannte «Retros» oder «Kickbacks» – überweist. Diese fallen bei einem ETF mit höheren Verwaltungskosten naturgemäss üppiger aus.
Am Ende bezahlen Sie die vermeintliche Gebührenfreiheit also indirekt über die Kickbacks des Market Makers und des ETF-Providers. Gratis ist in der Finanzwelt selten wirklich gratis.
Fazit
Grundsätzlich ist das regelmässige und langfristige Investieren mit ETF eine äusserst sinnvolle Sache – sowohl für das eigene Vermögen als auch für die Wirtschaft. Man sollte sich dabei jedoch nicht von einer vermeintlich kostenlosen Verpackung blenden lassen. Wie investieren Sie in ETF? Schreiben Sie mir eine E-Mail.
Über den Autor

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.
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