#61 US-Nachlasssteuer: Warum auch Nicht-Amerikaner steuerpflichtig werden können
Für Erben von US-Aktien oder ETFs besteht ab 60’000 US-Dollar eine Meldepflicht beim US-Fiskus. Erfahren Sie alles über die US-Nachlasssteuer und was Schweizer Investoren wissen müssen.
Gemäss Zahlen des US-Finanzministeriums lagen Mitte 2024 US-Wertschriften im Umfang von 1,2 Billionen US-Dollar in der Schweiz. Nicht alle Anlagen gehören Schweizer Investorinnen und Investoren, da der Schweizer Finanzplatz auch grosse ausländische Vermögen verwaltet.
Spannend wird es im Erbfall – selbst wenn keine amerikanischen Personen beteiligt sind. Der Grund ist ein veraltetes Erbschaftssteuerabkommen, das die Schweiz 1951 mit den USA abgeschlossen hat.
Meldepflicht bei US-Vermögenswerten
Hinterlässt eine verstorbene Person amerikanische Immobilien, Wertschriften oder Konten im Wert von mehr als 60’000 US-Dollar, sind die Erben meldepflichtig. Diese Vermögenswerte nennt man «US Situs Assets».
Die Erben müssen für die US-Steuerbehörde zwei spezielle Formulare ausfüllen, die sogenannten 706-NA und 8833. Diese sollten die Hinterbliebenen innerhalb von neun Monaten einreichen. Wenn ein Testament existiert, empfiehlt sich eine englische Übersetzung.
Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und US
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und den USA (1996) sorgt dafür, dass Schweizer Erben von US-Vermögenswerten ähnlich behandelt werden wie US-Bürger. Änderungen der US-Regelungen zur Nachlassbesteuerung können die Steuerpflicht der Erben beeinflussen.
Freibeträge und Steuerberechnung
Es gibt eine Freigrenze, die jährlich der Inflation angepasst wird. Aktuell knapp 14 Millionen US-Dollar. Die US-Nachlasssteuer («Estate Tax») wird auf den gesamten Nachlass angewendet, nicht nur auf einzelne Erben.
- Bei einem Nachlass, der vollständig aus US-Vermögenwerten besteht: Bemessungsgrundlage = Nachlass minus Freibetrag.
- Bei einem Nachlass, der teilweise aus US-Vermögenwerten besteht: Freibetrag wird proportional zur Höhe der US Situs Assets berechnet. Die Bemessungsgrundlage ergibt sich aus US Situs Assets minus entsprechend reduziertem Freibetrag.
Auf diese Bemessungsgrundlage wird ein progressiver Steuersatz zwischen 18 und 40 Prozent angewendet.
Beispiel: Steuerbarer Nachlass
Angenommen, Ihre Grossmutter hinterlässt Schweizer Immobilien im Wert von 10 Millionen US-Dollar und einen amerikanischen Bitcoin-ETF im Wert von 10 Millionen.
- Gesamtnachlass: 20 Millionen
- US Situs Assets: 10 Millionen
- Freibetrag: 50 Prozent (die Hälfte des Nachlasses) von 14 Millionen = 7 Millionen
- Bemessungsgrundlage: 10 (US Situs Assets) – 7 (Freibetrag) = 3 Millionen
Aufgrund der Progression wird auf diese drei Millionen der Maximalsatz von 40 Prozent fällig. Der US-Fiskus stellt somit 1,2 Millionen US-Dollar in Rechnung.
Bedeutung der US Estate Tax
Die Einnahmen aus dieser Steuer für Nicht-Amerikaner sind gering: Laut Daten aus dem Steuerjahr 2014 betrugen die Einnahmen weniger als 0,03 Milliarden US-Dollar, bei jährlichen Gesamteinnahmen von rund 5’000 Milliarden US-Dollar. Für die USA ist die Steuer daher vernachlässigbar, für betroffene Erben kann sie jedoch kompliziert sein.
Für Nicht-Amerikaner gilt: Ab 60’000 US-Dollar amerikanischer Vermögenswerte besteht eine Meldepflicht, eine Steuerpflicht tritt nicht zwingend ein. Es lohnt sich, die entsprechenden Formulare korrekt auszufüllen und Fristen einzuhalten.
Was halten Sie von exterritorialen Steuergesetzen? Und wussten Sie von dieser Meldepflicht ab 60’000 US-Dollar? Hinterlassen Sie einen Kommentar oder schreiben Sie eine E-Mail.
Über den Autor

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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