#64 Was Bankenpleiten für Einleger und Anleger bedeuten

07.04.2026
Felix Niederer

Wir alle verfügen über ein Bankkonto. Doch was bedeutet es konkret für Kontoinhaber und Anleger, wenn eine Bank Konkurs geht?

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass auch Banken mit vermeintlich solidem Geschäftsmodell untergehen können. So brach nach der Hypothekarkrise im Herbst 1991 die Spar- und Leihkasse Thun zusammen. Es kam zu einem «Bankrun», bei dem viele Kundinnen und Kunden Geld verloren. Zwar wurden seither die Eigenmittel- und Liquiditätsvorschriften verschärft, doch auch jüngere Ereignisse zeigen, dass Banken weiterhin ins Wanken geraten können. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass dies nicht mehr vorkommen wird.

Grundsätzlich ist ein Guthaben auf einem Privat- oder Sparkonto eine Forderung gegenüber der Bank. Als Gläubiger sind Sie darauf angewiesen, dass die Bank als Schuldnerin zahlungsfähig bleibt. Vor diesem Hintergrund ist es hilfreich zu verstehen, wie gut Ihre Kontoguthaben und Wertschriften im Konkursfall geschützt sind.

Einlagensicherung: Schutz mit Grenzen

In der Schweiz soll die Einlagensicherung «Esisuisse» sicherstellen, dass Kunden im Falle eines Bankenkonkurses Zugang zu ihrem Geld erhalten. Aktuell sind Einlagen bis maximal 100’000 Franken pro Person und pro Bank gesichert – zumindest theoretisch. Finanziert wird dieses System durch Beiträge aller Banken mit einer Geschäftsstelle in der Schweiz, die verpflichtend Mitglied bei Esisuisse sind. Der Einlegerschutz gilt auch für ausländische Banken mit Filialen in der Schweiz.

Allerdings ist diese Absicherung nicht unbegrenzt. Im Konkursfall kann Esisuisse maximal 7,9 Milliarden Franken von ihren Mitgliedern einfordern. Das entspricht lediglich rund 1,6 Prozent der gesicherten Guthaben in der Schweiz. Kritiker sprechen daher von einer «Schönwetter-Versicherung». Sollte eine systemrelevante Bank in Konkurs gehen, würde diese Summe bei weitem nicht ausreichen. Selbst der Ausfall einer mittelgrossen Bank könnte das System an seine Grenzen bringen.

Welche Gläubiger werden im Falle eines Konkurs zuerst bedient?

Kommt es tatsächlich zu einem Konkurs, wird der Liquidationserlös unter den Gläubigern verteilt. Dabei kommt ein sogenannter Kollokationsplan zur Anwendung, der die Reihenfolge der Forderungsbefriedigung festlegt. Für Sie als Kunde bedeutet dies, dass Sie weit hinten in der Warteschlange stehen. Vorrangig werden zum Beispiel Löhne, zugesicherte Boni sowie Sozialversicherungsbeiträge der Angestellten bezahlt.

Was passiert im Konkursfall mit meinen Wertschriften?

Entscheidend ist die Art Ihrer Anlagen. Wertschriften und physische Vermögenswerte wie Goldbarren im Schliessfach einer Bank sind sogenannte Sondervermögen. Diese werden lediglich treuhänderisch von der Bank verwaltet und bleiben Ihr Eigentum. Sie sind nicht Teil der Bankbilanz und fallen daher nicht in die Konkursmasse.

Heikler sind strukturierte Produkte. Diese Schuldverschreibungen sind Forderungen gegenüber der emittierenden Bank. Im Falle einer Insolvenz des Herausgebers geraten sie in die Konkursmasse. Beispiel: Sie sind Kunde von Bank A und kaufen ein strukturiertes Produkt der Bank B mit den Basiswerten Roche und Novartis. Wenn Bank B Konkurs geht, ist Ihre Investition gefährdet – selbst wenn Ihre Hausbank und die beiden Pharmatitel gut laufen.

Übrigens: Für Vorsorgegelder, etwa in der Säule 3a oder auf dem Freizügigkeitskonto, gelten wiederum eigene Regeln.

Wissen Sie, welcher Anteil Ihres Vermögens irgendwo auf einer Bankbilanz sitzt? Schreiben Sie mir eine E-Mail.

Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

Felix Niederer
Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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