#62 Was passiert, wenn ein ETF verschwindet?

10.03.2026
Felix Niederer

Wenn ein Fonds über einen längeren Zeitraum hinweg keinen Erfolg verzeichnet, wird er in der Regel liquidiert. Doch wie genau läuft eine solche Liquidation ab und was bedeutet sie für Sie als Anlegerin oder Anleger?

Ein Fonds, der sich schlecht entwickelt oder dessen Thema nicht mehr gefragt ist, wächst nicht mehr und kann sogar Kapital durch Mittelabflüsse verlieren. Das kann klassische Anlagefonds ebenso betreffen wie ETFs. Ist das Fondsvolumen zu klein, um den Fonds rentabel weiterzuführen, wird er liquidiert. Bis zur offiziellen Liquidation können Sie Ihre ETF-Anteile weiterhin an der Börse verkaufen. Bei klassischen Fonds spricht man von einem Rücknahmeauftrag. Erst am Stichtag der Liquidation wird der Handel eingestellt.

Wie funktioniert die Liquidation eines Fonds?

Am Tag der Liquidation berechnet die Fondsgesellschaft den finalen Nettoinventarwert, d. h. den Verkaufserlös aller vom Fonds gehaltenen Wertpapiere. Wenn Sie Ihre Anteile bis dahin nicht verkauft haben, erhalten Sie Ihren anteiligen Erlös einige Tage oder Wochen später, allerdings abzüglich der Verkaufs- und Verwaltungsgebühren. Die Finanzmarktaufsicht FINMA überwacht den gesamten Prozess, sodass alles im Interesse der Anlegerinnen und Anleger abläuft. Der Erlös wird auf Ihr Bankkonto überwiesen. Danach sind Sie selbst dafür verantwortlich, eine neue Anlagemöglichkeit zu finden, da Sie sonst nicht mehr investiert sind.

Manchmal wird ein Fonds aber nicht geschlossen, sondern mit einem ähnlichen Fonds zusammengeführt. Der Vorteil dabei ist, dass Sie weiterhin investiert bleiben. Der Nachteil ist jedoch, dass Sie prüfen müssen, ob der neue Fonds noch zu Ihrer Anlagestrategie passt.

Vorsicht bei Modethemen

Insbesondere unerfahrene Anleger lassen sich häufig von kurzfristigen Trends leiten. Fonds, die ein aktuelles Modethema aufgreifen, ziehen zwar schnell Kapital an, können aber auch genauso schnell wieder vom Markt verschwinden. Ein Beispiel hierfür ist der Hype um die Legalisierung von Cannabis. Im Jahr 2024 wurden mehrere Fonds mit Tickersymbolen wie THCX oder POTX liquidiert. In ihrer kurzen Lebensdauer von etwa drei Jahren verloren Anleger teilweise rund die Hälfte ihrer Investition. Cannabis ist jedoch nur eines von vielen Modethemen. Allein in den USA wurden im Jahr 2024 insgesamt 169 ETFs liquidiert, die meisten davon bereits nach weniger als fünf Jahren.

Worauf wir bei der Auswahl von ETFs achten

Bei True Wealth nutzen wir passive ETFs, die sich in der Regel seit mehreren Jahren am Markt bewährt haben. Auch die Grösse eines Fonds ist wichtig. Wenn ein Fonds weniger als 100 Millionen Franken verwaltet, besteht eine erhöhte Liquidationsgefahr. Natürlich ist die Grösse nur ein Faktor, den wir bei unserer Auswahl berücksichtigen. Zudem verwenden wir möglichst kostengünstige und liquide ETFs. Diese sind meistens auch wettbewerbsfähiger und daher weniger anfällig für eine Liquidation. Aber ausgeschlossen ist es nicht. Wenn es passiert, kümmern wir uns als Vermögensverwalter um den bestmöglichen Ersatz.

Haben Sie schon einmal erlebt, dass ein Fonds in Ihrem Depot liquidiert wurde? Schreiben Sie mir gerne eine E-Mail über Ihre Erfahrungen.

Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

Felix Niederer
Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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