
Die meisten Aktien rentieren negativ
Der US-Finanzprofessor Hendrik Bessembinder schockierte die Anleger mit seinem Befund, dass die meisten Aktien langfristig eine negative Rendite aufweisen. Ein genauer Blick auf seine jüngsten Studien lohnt sich.
Wie hoch ist die langfristige Medianrendite von US-Aktien? Plus fünf oder plus zehn Prozent pro Jahr? Was denken Sie? Die Antwort ist erschreckend: minus 6,87 Prozent über einen Zeitraum von hundert Jahren.
Auf diese hässliche Zahl kommt Finanzprofessor Hendrik Bessembinder von der Arizona State University. Dafür hat er 29’754 US-Einzelaktien in der Periode von Januar 1926 bis Dezember 2025 untersucht.
Natürlich werden die wenigsten Aktien überhaupt hundert Jahre alt, was Bessembinder entsprechend berücksichtigt. Eine durchschnittliche US-Aktie bleibt nur 11,7 Jahre an der Börse handelbar. Im Median liegt die Lebenserwartung sogar nur bei 6,8 Jahren. Mit anderen Worten: Gut die Hälfte erlebt ihren siebten Jahrestag als kotierte US-Firma nicht. Nicht immer ist ein Konkurs der Grund für eine Dekotierung. Auch Übernahmen, Fusionen oder ein Going Private können fürs Verschwinden auf dem Kurszettel verantwortlich sein.
Trotzdem lässt die überraschende Kurzlebigkeit von Aktien den Schluss zu, dass die meisten Firmen mässig erfolgreich und nur sehr wenige Unternehmen extrem erfolgreich sind. Gerade mal 46 Aktien – lediglich 0,15 Prozent der untersuchten Titel – sind für die Hälfte des geschaffenen Mehrwerts von gigantischen 91 Billionen US-Dollar verantwortlich. Allein Apple sind fünf Billionen Dollar dieser Vermögensbildung zu verdanken. Dahinter folgen Nvidia mit 4,6 und Microsoft mit vier Billionen Dollar.
Der Zuwachs aller Aktien entspricht einem Plus von 30’621 Prozent über hundert Jahre Buy-and-Hold. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass nur 48,2 Prozent der untersuchten Aktien den Anlegern eine positive Gesamtrendite (in Dollar) einbrachte. Und nur etwa 41 Prozent haben den risikolosen Zins übertroffen – gemessen an kurzfristen US-Staatsanleihen.

Ein Paradebeispiel dafür ist Nvidia, deren Aktien seit ihrem Börsengang im Januar 1999 eine verblüffende Jahresrendite von über 37 Prozent aufweist. Somit hat sich der Titel praktisch verfünftausendfacht. Netflix hat seinen Aktionären seit seinem IPO im Mai 2002 immerhin eine jährliche Rendite von 32,5 Prozent eingebracht.
Auch die Old Economy hat positive Beiträge geleistet: So waren etwa Altria Group und IBM bereits im Jahr 1926 an der Börse kotiert. Sie überzeugten seither mit annualisierten Gesamtrenditen von 16,5 und 13,6 Prozent. Auch Coca Cola und Exxon Mobil gingen über die volle Distanz. Ihre Gesamtrenditen von 12,7 und 11,5 Prozent dürfen sich sehen lassen.
Niemand weiss im Voraus, welche Firmen die nächsten börsenkotierten Überflieger sein werden. Fast sicher ist jedoch, dass diese ihren Weg in die Leitindizes und damit in die entsprechenden ETFs finden werden. Wählt man als Anleger gewöhnliche, sprich kapitalgewichtete Indexfonds, profitiert man proportional am Erfolg der führenden Konzerne. Umgekehrt befinden sich die Aktien der vielen Verlierer-Aktien kleinerer Firmen nicht oder nicht mehr in den Indizes und den entsprechenden ETFs.
So liest sich Bessembinders jüngste Studie wie ein Plädoyer für Indexfonds, deren Erfinder Jack Bogle einst riet: «Suchen Sie nicht die Nadel im Heuhaufen. Kaufen Sie den Heuhaufen.»
Für diesen bewährten Ratschlag spricht zudem Bessembinders frühere Studie, die er mit einigen Kollegen bereits im März 2023 veröffentlichte. Damals untersuchten die Wissenschaftler sogar 63’765 Aktien aus 42 Ländern. Auf der globalen Ebene war das Ergebnis noch extremer: Die besten 2,4 Prozent der Unternehmen waren für den Wertzuwachs von 75,7 Billionen USD zwischen Januar 1990 und Dezember 2020 verantwortlich.
Über den Autor

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.
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