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«Oft ist bei Smart Beta nur das Risiko smart versteckt»

Smart Beta: Wie smart ist das wirklich?

Felix Niederer02.11.2016

Für die Portfolios unserer Kunden setzen wir bei True Wealth auf passives Investieren, auf reines Beta. Aber wäre Smart Beta nicht noch smarter?

Im Markt für Exchange Traded Funds (ETF) finden Anleger seit kurzem eine neue Variante: ETF, die sich Smart Beta nennen. In der Schweiz und sonst in Europa findet Smart Beta derzeit noch wenige Anleger. In den USA aber – wo dieser Trend herkommt – steckt schon ein Fünftel des gesamten Anlagevolumens von ETF in den Produkten, die sich smart nennen. Kein Wunder: Viele dieser Produkte sind in den letzten Jahren gut gelaufen, oft besser als die klassischen ETF, die auf reines Beta setzen.

Doch wer sich von ihnen auch zukünftig höhere Renditen erwartet, der muss wissen, dass die aktuelle Outperformance ihren Preis hat: Höhere Kosten. Höheres Risiko. Und lange Phasen der Unterperformance. Lassen Sie uns diese Nachteile im Einzelnen ansehen:

Höhere Kosten

Smart-Beta-Produkte sind in den USA mindestens 0,34 Prozent teurer als klassische ETF. Denn klassische ETF sind günstig, sehr günstig. Die jährlichen Verwaltungskosten bei einem der günstigsten ETF auf den SMI betragen 0,20 Prozent. ETF auf den amerikanischen Aktienmarkt gibt es sogar ab 0,05 Prozent. Der günstigste Smart-Beta-ETF auf amerikanische Aktien ist ab 0,39 Prozent zu haben, viele Smart-Beta-Produkte verlangen auch bis zu einem Prozent.

Sind Smart-Beta-Produkte ihr Geld wert? Die Performance in den letzten Jahren kann sich bei vielen dieser ETF sehen lassen, in einigen Fällen hätte sie die höheren Kosten rechtfertigen können. Sie ist allerdings mit einem höheren Risiko erkauft.

Höheres Risiko

Die Aktien kleiner Firmen schwanken viel stärker als die Aktien grosser Firmen – sie sind also mit einem höheren Risiko behaftet. Aber halt jetzt: Wieso reden wir plötzlich von kleinen Firmen? Gehören zu einem ETF auf einen Index nicht grosse und kleine Firmen gleichermassen?

Ja, eigentlich schon. Aber viele Smart-Beta-ETF sind heimlich fast schon Small Cap Funds. Warum? Lassen Sie uns kurz anschauen, wie Smart-Beta-Produkte gebaut werden: mit Algorithmen aus einem Quant-Modell. Nehmen wir das einfachste Beispiel eines solchen Modells, die Gleichgewichtung.

Normalerweise sind in einem Index die Aktien im Verhältnis Ihres Börsenwertes enthalten.

Im Swiss Market Index mit seinen 20 Aktien entfallen derzeit (Stand März 2016) 24,05 Prozent auf Nestlé, 18,44 Prozent auf Novartis, 17,46 Prozent auf Roche und 5,86 Prozent auf die UBS. Mit nur 0,86 Prozent liegt auf Platz 20 Swiss Life.

Werden die zwanzig Aktien des SMI nun gleichgewichtet, dann wäre das Gewicht von Nestlé nur noch 5 Prozent, das der UBS weiterhin 5 Prozent und das der kleinen Swiss Life jetzt auch 5 Prozent. Gleichgewichtung klingt dem Wort nach zwar neutral, ist es aber nicht. Im Gegenteil: Gleichgewichtung ist eine klare Entscheidung zugunsten von kleineren Firmen.

Das kann man wollen – wenn man gezielt die Rolle kleiner Firmen stärken will. In der Tat gibt es viele Anhänger der These, dass kleine Firmen eine bessere Performance bringen als die grossen. Wer den amerikanischen Markt seit 1926 betrachtet, der bekommt oberflächlich betrachtet sogar recht: Small Caps haben jährlich 11,5 Prozent Rendite gebracht, Large Caps nur 10 Prozent. Allerdings nicht in allen Jahren gleichmässig.

Lange Phasen der Unterperformance

In zwei Dritteln aller Jahre haben Small Caps schlechter performt als Large Caps. Kleine Firmen haben zwar über die lange Frist insgesamt etwas mehr Rendite gebracht. Dafür verantwortlich waren allerdings wenige gute Jahre. (Die waren dann sehr gut.) Nur so konnten die kleinen Firmen den Gesamtvergleich gewinnen, wie Ken Fisher in der Financial Times den Stand der Forschung zusammenfasst.

Besonders gut performen kleine Firmen in der Regel dann, wenn sich auch der breite Markt vom absoluten Tief erholt. Kein Wunder also, können heute viele der angeblich smarten ETF schöne Renditen ausweisen: Die Erholung nach der Finanzkrise von 2008 war spektakulär, für kleine Firmen war sie es besonders.

Der wesentliche Beitrag der kleinen Firmen zu ihrem Gesamterfolg stammt aus nur wenigen Jahren. Das macht es für die menschliche Natur schwierig, ihnen langfristig treu zu bleiben.

Nur passiv ist wirklich langfristig

Wer langfristig investieren will, der sollte nicht ständig sein Portfolio umschichten. Sondern eine Strategie wählen – und dann seinen Kurs halten. Das ist das Credo des passiven Investierens. Wenn Sie dieses langfristige Denken mitbringen, dann können wir von True Wealth Ihnen die Umsetzung einfach machen und kostengünstig erledigen.

Schlechte Börsenjahre sind für die menschliche Psyche hart genug, selbst bei einer so transparenten Anlagelösung wie der von True Wealth. Auch bei uns können Sie höhere Risiken ins Portfolio mischen, wenn Sie eine höhere Rendite erzielen wollen. Der grosse Vorteil: Wenn Sie bei uns höhere Risiken eingehen, dann wissen Sie das auch.

Wenn Sie höhere Risiken jedoch eingehen ohne es zu wissen, dann ist das nicht smart. In effizienten Märkten kann eine höhere Rendite nicht ohne höheres Risiko zustande gekommen sein. Sehen Sie darum bei diesen Produkten genau hin: Oft ist bei Smart Beta nur das Risiko smart versteckt.

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Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

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Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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