
Smart Beta: Wie smart ist das wirklich?
Bei True Wealth setzten wir auf passives Investieren, also reines Beta. Aber wäre Smart Beta nicht noch smarter?
Im Markt für Exchange Traded Funds (ETFs) finden Anleger seit einigen Jahren zunehmend Produkte, die vom klassischen marktgewichteten Ansatz abweichen. Wir unterteilen diese «Neo-ETFs» in zwei Hauptkategorien: Aktiv gemanagte ETFs und Smart-Beta-ETFs.
- Smart-Beta-ETFs ähneln aktiven Strategien, funktionieren jedoch rein regelbasiert nach festen mathematischen Formeln. Bekannte Beispiele sind Faktor-Fonds, die gezielt auf Value-, Momentum- oder Dividendentitel setzen (mehr über diese Anlagestile erfahren Sie in diesem Blog).
- Aktive ETFs erlauben es dem Fondsmanagement hingegen, diskretionäre Entscheidungen zu treffen – ähnlich wie bei klassischen Investmentfonds.
Trotz intensiven Marketings seitens der Finanzindustrie (aktive ETFs sind teurer und in der Regel für die Anbieter profitabler) konnten sie bislang keine dominierende Marktstellung einnehmen. Dennoch gewinnen sie als Portfolio-Satelliten an Popularität, also als gezielte Beimischung zu einem ansonsten passiv verwalteten Kernportfolio.
Eine Sonderrolle spielen Equal-Weight-ETFs. Sie werden meist als passive Anlagen geführt, weisen aber auch Charakteristika von Smart Beta auf. Der Grund: Da sie einem festen, regelbasierten Index folgen (z. B. Gleichgewichtung aller Aktien), zählen sie zum passiven Lager. Da sie jedoch von der klassischen Gewichtung nach Marktkapitalisierung abweichen, verkörpern sie auch den Smart-Beta-Gedanken.
Smart Beta ist teuer
Smart-Beta-Produkte sind im Schnitt rund 0,2 Prozentpunkte teurer als klassische ETFs. Der Grund liegt im extremen Preiswettbewerb bei Standard-ETFs: Während die jährlichen Verwaltungskosten für den günstigsten ETF auf den Schweizer SPI lediglich 0,09 Prozent betragen, sind ETFs auf den US-Aktienmarkt bereits ab 0,02 Prozent erhältlich. Die Kosten für Smart-Beta-ETFs auf amerikanische Aktien liegen typischerweise zwischen 0,2 und 0,6 Prozent.
Noch deutlicher wird der Aufpreis bei aktiven ETFs: Hier langen die Anbieter teils kräftig zu, wobei eine Gesamtkostenquote (TER) von über 1 Prozent keine Seltenheit ist.
Die Performance einiger dieser Spezial-ETFs konnte sich in den letzten Jahren zwar sehen lassen und hätte die höheren Gebühren in Einzelfällen durchaus gerechtfertigt. Anleger sollten jedoch nicht übersehen, dass diese Mehrrendite mit einem höheren Risiko oder einer stärkeren Volatilität erkauft wurde. Es ist wie beim Pferderennen: Irgendein aktiver ETF hat immer gerade die Nase vorn. Doch das Problem bleibt die Beständigkeit – die wenigsten Strategien schaffen es, ihren Vorsprung über mehrere Jahre zu verteidigen.
Höheres Risiko
Die Aktien kleinerer Unternehmen schwanken in der Regel deutlich stärker als die Branchenriesen, sind also riskanter. Viele Smart-Beta-ETFs sind verdeckte Small-Cap-Strategien. Der Grund liegt in der Konstruktion dieser Produkte, die meist durch die Algorithmen eines quantitativen Modells erfolgt. Nehmen wir das anschaulichste Beispiel: die Gleichgewichtung (Equal Weight).
In einem Standard-Index sind Aktien proportional zu ihrem Börsenwert enthalten (Marktkapitalisierung). Im Swiss Market Index (SMI) mit 20 Titel zeigt sich die Dominanz der Schwergewichte: Auf Nestlé (Stand: März 2026) entfallen rund 17,5 Prozent, gefolgt von Roche mit ca. 15 Prozent und Novartis mit etwa 14 Prozent. Auch die UBS nimmt nach der Übernahme der Credit Suisse einen bedeutenden Platz ein. Am unteren Ende der Skala finden sich Unternehmen wie Logitech oder Sonova, die jeweils weniger als zwei Prozent dieses Gewichts ausmachen.
Gewichtet man diese 20 Aktien nun gleich, erhält jedes Unternehmen exakt fünf Prozent des Portfolios. Das Gewicht von Nestlé würde also gedrittelt, während das Gewicht eines kleineren Index-Mitglieds von 1,5 auf fünf Prozent mehr als verdreifacht würde. «Gleichgewichtung» klingt zwar neutral, ist es aber nicht. Im Gegenteil: Es ist eine bewusste Entscheidung zugunsten kleinerer Firmen innerhalb des Index.
Das kann gewollt sein, wenn man gezielt auf die Dynamik kleinerer Unternehmen setzen möchte. Ein Blick auf den US-Markt seit 1926 scheint die Outperformance oberflächlich zu bestätigen: Small Caps lieferten eine jährliche Rendite von etwa 11,8 Prozent, während Large Caps bei rund 10,2 Prozent lagen. Allerdings erfolgt diese Mehrrendite keineswegs linear – es gibt lange Phasen, in denen die «Grossen» die «Kleinen» deutlich abhängen. Die Überrendite wurde mit erheblichen Phasen unterdurchschnittlicher Wertentwicklung und höherer Volatilität erkauft.
Lange Durststrecken für seltene Sprints
Statistische Mittelwerte suggerieren eine Beständigkeit, die es an den Märkten nicht gibt. So war die Outperformance kleinerer Firmen kein stetiger Trend.
Die Datenlage bis 2026 verdeutlicht das Muster: In rund zwei Dritteln aller Jahre bleiben Nebenwerte hinter den Blue Chips zurück. Der gesamte Renditevorsprung über Jahrzehnte speist sich oft nur aus wenigen, extrem starken Erholungsphasen – meist unmittelbar nachdem der Markt seinen absoluten Tiefpunkt durchschritten hat. Wer diese kurzen Fenster verpasst, bleibt auf den höheren Kosten und der höheren Volatilität sitzen.
Das macht Smart-Beta-Strategien zu einer psychologischen Zerreissprobe. Es erfordert eiserne Disziplin, einem Faktor über Jahre der Unterperformance treu zu bleiben, während die Standard-Indizes davonziehen.
Nur passiv ist wirklich langfristig
Erfolgreiches Investieren ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Das Credo des passiven Investierens lautet: Strategie wählen und Kurs halten.
Schlechte Börsenjahre sind für die menschliche Psyche belastend genug. Bei True Wealth machen wir die Umsetzung so einfach und transparent wie möglich.
- Wenn Sie für eine potenziell höhere Rendite mehr Risiko eingehen möchten, können Sie das in Ihrem Portfolio gezielt steuern.
- Es gibt keine versteckten Wetten.
In effizienten Märkten gibt es keine Zusatzrendite ohne Zusatzrisiko – auch im Jahr 2026. Das Problem vieler Smart-Beta-Produkte ist nicht das Risiko an sich, sondern dass es hinter dem Label «Smart» geschickt kaschiert wird. Wer höhere Risiken eingeht, ohne es zu merken, handelt nicht smart, sondern blind.
Sehen Sie daher genau hin: Oft ist bei Smart Beta nur das Risiko smart verpackt, nicht die Strategie. Etwas schlechter verstecken lassen sich heutzutage die Fondskosten. Wenn diese über 0,2 Prozent liegen, lohnt sich ein genauerer Blick.
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Eine frühere Version dieses Artikels wurde am 02.11.2016 veröffentlicht.
Über den Autor

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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