#63 Stabiles Portfolio dank niedrigen Korrelationen

24.03.2026
Felix Niederer

Ein robustes Portfolio ist das Ziel jeder Anlegerin und jedes Anlegers. Doch was macht ein Portfolio tatsächlich stabil? Neben einer breiten Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg spielt ein Faktor eine zentrale Rolle: die Korrelation.

Viele Investoren gehen davon aus, dass sie gut diversifiziert sind, wenn sie ihr Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen oder Regionen verteilen. Das ist grundsätzlich sinnvoll, aber nur dann wirksam, wenn sich die einzelnen Anlagen nicht im Gleichschritt bewegen.

Reagieren alle Positionen bei negativen Nachrichten gleich, verpufft der Diversifikationseffekt. Brechen beispielsweise die Aktienkurse in den USA ein, geraten in der Regel auch europäische Titel unter Druck. In solchen Phasen zeigt sich, dass geografische Streuung allein keinen ausreichenden Schutz bietet.

Was bedeutet die Korrelation von Anlagen?

Die Korrelation ist das statistische Mass für die Gleichläufigkeit von Anlagen. Sie lässt sich einfach berechnen – zumindest rückblickend. Die entsprechende Skala reicht von −1 bis +1:

  • +1 steht für eine perfekte Gleichläufigkeit: Beide Anlagen bewegen sich immer in dieselbe Richtung.
  • 0 bedeutet, dass kein linearer Zusammenhang besteht.
  • –1 beschreibt eine perfekte Gegensätzlichkeit: Steigt die eine Anlage, fällt die andere im gleichen Ausmass.

In der Praxis sind stark negative Korrelationen selten, aber besonders wertvoll. Ein Wertpapier, das sich gegenläufig zum Gesamtmarkt entwickelt, kann die Schwankungen eines Portfolios deutlich reduzieren.

Aktien korrelieren meist positiv

Grundsätzlich haben praktisch alle Aktien eine positive Korrelation untereinander. Sinkt eine einzelne Aktie an einem guten Börsentag, hat das meistens firmenspezifische Gründe. Das Gleiche gilt im umgekehrten Fall.

In der heutigen globalisierten Welt laufen die Aktienmärkte verschiedener Kontinente stark im Gleichschritt. So liegt die Korrelation zwischen amerikanischen und europäischen Aktien beispielsweise bei fast 0,8.

Die Rolle von Obligationen und Gold

Staatsobligationen korrelieren leicht negativ mit Aktien. Deshalb eignen sich Zinspapiere grundsätzlich gut, um die Wertschwankungen eines aktienlastigen Portfolios zu reduzieren.

Ein weiteres klassisches Beispiel für tiefe Korrelation gegenüber Aktien ist Gold. Besonders interessant ist, dass Edelmetalle auch mit anderen sogenannten «sicheren» Anlagen nur schwach korrelieren. So lag die Korrelation mit US-Treasuries in Schweizer Franken in den letzten 13 Jahren beispielsweise nur bei etwa 0,1.

Korrelationen sind nicht konstant

Korrelationen können sich, insbesondere in Stresssituationen, kurzfristig stark verändern. Ein Beispiel hierfür ist der Liquiditätsengpass im Jahr 2008: Nach dem Ausbruch der Finanzkrise benötigten viele Marktteilnehmer schnell Liquidität. Darum verkauften sie alles, wofür es noch Käufer gab. So fielen die Kurse von Aktien und Gold phasenweise im Gleichschritt. Während das Gesamtjahr 2008 für Aktien jedoch katastrophal war, machte Gold seine anfänglichen Verluste im selben Jahr wieder wett.

Noch besser erinnert man sich ans Jahr 2022: Damals waren viele Anleger enttäuscht, dass die alte Logik «Aktien runter, Obligationen rauf» ihre Gültigkeit verlor. In Franken gerechnet fiel der Weltaktienindex MSCI World um gut 13 Prozent. US-Staatsanleihen boten jedoch wider Erwarten keinen Schutz. Im Gegenteil: Sie verloren über zehn Prozent an Wert. Gold bewährte sich hingegen als sicherer Hafen und legte 2022 leicht zu.

Langfristige Betrachtung ist entscheidend

Diese Beispiele verdeutlichen, weshalb Korrelationsdaten nicht isoliert und kurzfristig betrachtet und interpretiert werden sollten. Einzelne Jahre können stark von Ausnahmesituationen geprägt sein. Es empfiehlt sich, lange Zeiträume zu analysieren – beispielsweise rollierende Zehnjahresperioden oder noch längere historische Datenreihen.

Wie berücksichtigen Sie Korrelationen bei Ihrer Portfolio-Optimierung? Schreiben Sie mir eine E-Mail.

Disclaimer: Wir haben für den Inhalt dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Trotzdem können wir Fehler nicht ausschliessen. Die Gültigkeit des Inhalts beschränkt sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Über den Autor

Felix Niederer
Felix Niederer

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.

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