#73 Was passiert, wenn alle nur noch ETFs kaufen?
Mit dem Erfolg des passiven Investierens melden sich regelmässig auch Kritiker und Polemiker zu Wort. Sie behaupten, ETFs würden den Markt «dumm» machen und eine gefährliche Blase bilden. Was ist wirklich an dieser These dran?
Im Jahr 2023 ist es am US-Kapitalmarkt zu einer stillen Revolution gekommen: Erstmals haben passive Anlagen mehr als die Hälfte des gesamten Fondsvolumens ausgemacht. Auch in Europa zeigt der Trend steil nach oben – auch wenn die Marktdurchdringung von ETFs und Indexfonds hier etwas langsamer verläuft.
Die Gründe für den Erfolg von passiven ETFs liegen auf der Hand: Sie sind dank dem massiven Wettbewerb äusserst kostengünstig geworden und jederzeit liquide handelbar. Passive Anlagen übertreffen ihre aktive Konkurrenz regelmässig, was folgender Blog zeigt.
Die Sorge vor dem Kipppunkt
Die Verfechter des aktiven Investierens argumentieren: Wenn alle nur noch passiv investieren, analysiert irgendwann niemand mehr Unternehmensbilanzen und Erfolgsrechnungen. In der Folge käme es zu mehr Fehlbewertungen und die Effizienz der Märkte würde erodieren.
Diese Vorstellung von einem gefährlichen Kipppunkt ist jedoch unbegründet.
Warum die Preisbildung intakt bleibt
ETFs halten zwar gut die Hälfte der Fondsgelder, sie sind jedoch «stumme» Besitzer. Sie kaufen und halten schlicht das, was der Markt als Ganzes abbildet. Obwohl passive Fonds stark gewachsen sind, stammen weiterhin über 90 Prozent des täglichen Handelsvolumens von aktiven Marktteilnehmern wie Hedgefonds, Hochfrequenzhändlern und gemanagten Aktienfonds. Die eigentliche Preisbildung findet genau dort statt: im aktiven Handel.
Selbst wenn 99 Prozent des Aktienmarktes durch passive Anlageinstrumente gehalten würden, würde es umso lukrativer für das eine Prozent, das weiterhin aktiv tradet.
Je ineffizienter ein Markt wird, desto höher steigt das potenzielle Alpha – also die mögliche Überrendite für aktive Marktteilnehmer. Das schafft einen starken finanziellen Anreiz für professionelle Investoren, gegen Fehlbewertungen am Markt zu wetten. Solange es genügend Trader gibt, die auf jede Ineffizienz sofort reagieren, bleibt der Preisbildungsmechanismus vollkommen intakt.
Für Privatanlegende bleibt der ETF somit die erste Wahl, um kostengünstig vom Gesamtmarkt zu profitieren, das Einzeltitelrisiko zu minimieren und gleichzeitig die wenigen Grossgewinner nicht zu verpassen, die den Markt nach oben ziehen.
Wo aktives Management Sinn macht
Aktives Management hat durchaus seine Berechtigung – allerdings primär in illiquiden Anlageklassen. Ein typisches Beispiel dafür ist die Vergabe von Venture Capital (Wagniskapital) an innovative Start-ups, die bis zum Durchbruch viel Kapital benötigen. Private Equity und Venture Capital sollten in einem privaten Portfolio jedoch maximal einen sehr kleinen Teil ausmachen.
Hat Ihnen Ihr Bankberater auch schon die Geschichte von der angeblichen ETF-Blase aufgetischt? Welche Argumente hat er dabei ins Feld geführt? Schreiben Sie mir gerne eine E-Mail.
Über den Autor

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.
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