Wer investiert, weiss mehr: Tiefe Gräben spalten die Schweiz beim Finanzwissen
Medienmitteilung
Zürich, 28.09.2026
Gender Gap, Röstigraben und ein riesiger Graben zwischen Personen mit und solchen ohne Anlagen: Das sind die wichtigsten Ergebnisse des heute veröffentlichten True Wealth Finanzkompetenzindex. Die dritte Ausgabe zeigt ausserdem: Das Finanzwissen der Bevölkerung bleibt stabil auf mittlerem Niveau – die Romandie fällt zurück, Frauen holen langsam auf, und die Jungen kennen ETFs am besten.
Die Schweizer Bevölkerung beantwortet im Durchschnitt nur gerade 5,5 von 10 Fragen zu Zins, Inflation, Risiko und Anlegen richtig. Das zeigt der dritte True Wealth Finanzkompetenzindex, für den GfK Switzerland 2’019 Personen zwischen 16 und 74 Jahren repräsentativ befragt hat. Das Gesamtniveau ist damit stabil: 2024 lag der Anteil richtiger Antworten bei knapp 52 Prozent, 2025 bei gut 54 Prozent, 2026 bei 55 Prozent. Neu wurde in diesem Jahr erhoben, ob die Befragten selbst Finanzanlagen besitzen. Diese Frage erweist sich als einer der stärksten Trennfaktoren der gesamten Studie.
Der Anlage-Graben: 24 Punkte Unterschied
Rund 57 Prozent der Befragten besitzen mindestens eine Form einer Finanzanlage, knapp 39 Prozent keine. Wer eigene Anlagen hält, beantwortet knapp 66 Prozent der Fragen richtig – wer keine hält, nur rund 41 Prozent. Die Differenz von rund 24 Punkten ist grösser als jene zwischen Männern und Frauen (15 Punkte) und zwischen Deutsch- und Westschweiz (12 Punkte). Nur zwischen den tiefsten und höchsten Einkommen klafft die Schere noch weiter auseinander.
«Der Graben verläuft nicht nur entlang von Einkommen und Bildung, sondern auch zwischen jenen, die investieren, und jenen, die es nicht tun», sagt Dr. Michael J. Kendzia, Ökonom an der ZHAW School of Management and Law, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat.
Der Abstand zeigt sich bei allen zehn Fragen – und er wächst, je näher eine Frage an der Anlagepraxis liegt. Beim Zinseszins, also klassischem Schulwissen, trennen Anlegende und Nicht-Anlegende 15 Punkte. Den Hauptvorteil von ETF kennen dagegen fast 46 Prozent der Anlegenden, aber nur rund 16 Prozent der Nicht-Anlegenden. Beim Herdenverhalten an den Märkten liegen 31 Punkte dazwischen, beim Nutzen von Cash in einem Börsencrash 26 Punkte.
Wer nicht investiert, traut sich seltener eine Antwort zu
Wissenslücken schlagen sich auch im Selbstvertrauen nieder: Wer keine Anlagen besitzt, antwortet bei 36 Prozent der Fragen mit «Weiss nicht». Bei Anlegenden sind es nur 9 Prozent. «Wer einmal anfängt zu investieren, lernt schnell dazu. Das Wissen wächst mit der Erfahrung», sagt Felix Niederer, CEO von True Wealth. «Die grösste Hürde ist deshalb oft nicht das fehlende Wissen, sondern der erste Schritt.»
Die spannendsten Entwicklungen im Dreijahresvergleich
- Frauen holen auf – langsam. Männer beantworten fast 63 Prozent der Fragen richtig und liegen bei allen zehn Fragen vorn. Frauen haben sich aber Jahr für Jahr verbessert: von knapp 45 Prozent (2024) über 46 Prozent (2025) auf rund 47 Prozent. Der Gender Gap schrumpft damit auf 15 Punkte. Die Studie liefert erstmals einen Erklärungsbaustein: Gut zwei Drittel der Männer besitzen eigene Anlagen, bei den Frauen ist es knapp die Hälfte. Ein Teil des Wissensunterschieds dürfte also weniger mit dem Geschlecht zu tun haben als mit der ungleichen Anlagepraxis.
- Der Röstigraben wird breiter. Die Deutschschweiz verbessert sich auf 58 Prozent richtige Antworten, die Westschweiz fällt auf 46 Prozent zurück (2025: 47 Prozent). Bei den Grundlagen wie dem Zinseszins liegen beide Landesteile fast gleichauf. Der Graben öffnet sich bei den Anlagethemen: Den Vorteil von ETF kennt in der Deutschschweiz gut ein Drittel, in der Romandie nur gut ein Fünftel.
- Die Jungen kennen ETFs am besten. Die ETF-Frage ist die einzige mit klarer Verbesserung: fast 33 Prozent antworten richtig, nach rund 29 Prozent im Vorjahr. Getrieben wird der Anstieg von den 16- bis 29-Jährigen, die von 26 auf rund 38 Prozent zulegen und damit alle älteren Gruppen überholen. Auch beim Herdenverhalten schneiden die Jüngeren besser ab – beim Zusammenhang von Risiko und Rendite dagegen die Älteren. Über alle Fragen hinweg spielt das Alter kaum eine Rolle: Zwischen der jüngsten und der ältesten Gruppe liegen nur gut zwei Punkte.
- Das Fundament bröckelt leicht. Bei den beiden am besten beantworteten Fragen gehen die Werte zurück: Den Zinseszins beurteilen noch 79 Prozent richtig (2024 und 2025: über 82 Prozent), die Wirkung steigender Gewinnerwartungen auf den Aktienkurs kennen rund 67 Prozent (Vorjahr: 71 Prozent).
- Obligationen bleiben ein Buch mit sieben Siegeln. Die wesentliche Tatsache, dass der Preis einer Anleihe steigt, wenn die Zinsen sinken, wissen nur rund 21 Prozent – ein Wert, der über alle drei Erhebungen praktisch unverändert ist. Selbst unter Anlegenden sind es nur 27 Prozent.
- Die Einkommensschere öffnet sich weiter. Kein Merkmal staffelt die Ergebnisse so deutlich wie das Einkommen: von rund 40 Prozent bei Haushalten mit weniger als 4’500 Franken auf 72 Prozent bei über 15’000 Franken. Die höchste Einkommensgruppe hat sich seit 2024 um knapp sechs Punkte verbessert, die tiefste stagniert. Auch die Bildung bleibt ein verlässlicher Prädiktor: rund 64 Prozent bei höherer gegenüber 40 Prozent bei tieferer Schulbildung.
«Muss man bereits investieren, um Finanzwissen zu haben – oder braucht es Finanzwissen, um zu investieren? Die Daten zeigen: Das Grundverständnis für Zins, Inflation und Diversifikation ist breit verankert. Brüchig wird es, sobald es konkret wird – bei Obligationen, ETF oder der Rolle von Liquidität in der Krise. Genau an dieser Schwelle von der Theorie zur Anwendung macht eigene Anlageerfahrung den grössten Unterschied», sagt Dr. Michael J. Kendzia.
Mehr zum True Wealth Finanzkompetenzindex und die vollständigen Studienergebnisse finden Sie hier.
Begleitend zur Studie steht ein interaktives Online-Quiz zur Verfügung, mit dem sich Interessierte mit dem Schweizer Durchschnitt vergleichen können.
Zur Methode:
Repräsentative Umfrage (GfK eBUS®) mit Feldzeit Juni 2026, Stichprobengrösse 2’019 Befragte im Alter von 16 bis 74 Jahren, bevölkerungsrepräsentativ für die Deutsch- und Westschweiz.
Es wurden 10 Fragen mit geschlossenen Antwortmöglichkeiten zu den Themen Zins, Inflation, Diversifikation, Risikofähigkeit, Risiko-Rendite-Verhältnis, Herding-Effekt, Aktien, Obligationen, Cash und ETF gestellt.
Über True Wealth
True Wealth wurde 2013 von Oliver Herren, Mitgründer der Digitec Galaxus AG, und Felix Niederer, Physiker und Portfoliomanager, gegründet. Die Online-Plattform hat sämtliche Prozesse der modernen Vermögensverwaltung konsequent automatisiert und bietet Kunden mit Domizil Schweiz eine kostengünstige Vermögensverwaltungslösung ab einer Anlagesumme von 8'500 Franken resp. 1'000 Franken für Kinderportfolios und Anlagen in der Säule 3a.
Das Unternehmen verwaltet Kundenvermögen in der Höhe von über 3 Milliarden Schweizer Franken, verteilt auf über 50'000 Kundenbeziehungen.
Die jährliche all-in Vermögensverwaltungsgebühr beträgt 0,25 bis 0,50%, abhängig von der Anlagesumme. Für die Säule 3a beträgt die Verwaltungsgebühr 0%.
Presse- und Interviewanfragen
Kontaktieren Sie True Wealth für Presse- und Interviewanfragen per E-Mail.
Pressefotos, Logos und weitere Unterlagen stehen hier zum Download bereit.
Starten Sie noch heute
Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Eröffnen Sie jetzt ein Testkonto und wandeln Sie es später in ein echtes Konto um.


