#78 Gleichgewichtete ETF: echter Mehrwert oder unnötig?
In vielen bekannten Indizes dominieren die Aktien einiger wenigen Schwergewichte. Aus diesem Grund gibt es Verfechter von gleichgewichteten Indizes, sogenannten Equal-Weight-Indizes. Aber welches Konzept schneidet besser ab?
Die meisten bekannten Aktienindizes wie der SPI, der SMI, der S&P 500 oder der MSCI World gewichten die enthaltenen Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung. Das führt zu einer Klumpenbildung: Im Schweizer Swiss Performance Index machen beispielsweise Novartis, Roche und Nestlé zusammen rund 37 Prozent des Gesamtgewichts aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich im US-amerikanischen S&P 500, in dem die zehn grössten Positionen mit fast 40 Prozent dominieren.
Mit einem marktgewichteten Indexfonds investieren Sie folglich konzentriert in eine Handvoll grosser Konzerne. Gleichgewichtete Indizes umgehen diese Fokussierung, indem sie jedem Unternehmen im Index exakt denselben Anteil zuweisen. Gleichgewichtete Indizes zählen damit zur Kategorie der sogenannten Smart-Beta-Strategien, bei denen gezielt von der reinen Marktkapitalisierung abgewichen wird. Sind gleichgewichtete ETF deshalb die bessere Wahl? Auf diese Frage gibt es keine pauschal gültige Antwort.
Bessere Diversifikation, aber zu welchem Preis?
Betrachtet man einen gleichgewichteten Index isoliert, bietet er auf dem Papier zwar eine gleichmässigere Verteilung und damit eine bessere Diversifikation bezüglich der Unternehmensgrösse. Dieser Vorteil hat jedoch seinen Preis.
Langfristige Untersuchungen zeigen, dass ein wesentlicher Teil der positiven Gesamtrendite von Aktienmärkten von einigen wenigen Überfliegern getrieben wird. Das sind Unternehmen, die in der Realwirtschaft über Jahrzehnte hinweg aussergewöhnlich erfolgreich sind. Aufgrund dieses Erfolgs wächst ihre Marktkapitalisierung naturgemäss stark an.
In einem gleichgewichteten Index erhalten diese langfristigen Gewinner jedoch nur dasselbe kleine Gewicht wie jedes andere Unternehmen. Das kostet auf lange Sicht Rendite.
Phasenweise Vorteile und höhere Friktionskosten
Selbstverständlich gibt es immer wieder Phasen, in denen ein gleichgewichteter Index besser abschneidet als sein marktgewichtetes Pendant. Das ist etwa dann der Fall, wenn die Kurse der führenden Grosskonzerne korrigieren, während kleinere oder mittlere Unternehmen aufholen. Wann eine solche Konstellation eintreten wird, lässt sich allerdings nicht zuverlässig prognostizieren. Darauf zu setzen, käme einer Spekulation gegen den breiten Markt gleich.
Ein weiterer praktischer Nachteil von gleichgewichteten ETF besteht im laufenden Anpassungsbedarf. Die Aktienkurse der einzelnen Unternehmen entwickeln sich unterschiedlich. Daher muss der Fonds regelmässig umschichten, um die Gleichgewichtung aufrecht zu erhalten. Das verursacht Transaktionskosten und Steuern innerhalb des Fonds – sogenannte Friktionskosten. Schliesslich sind die jährlichen Verwaltungskosten von gleichgewichteten ETF in der Regel höher als bei klassischen Varianten, worauf Anleger bei der ETF-Auswahl stets achten sollten.
Der Ansatz bei True Wealth
Aufgrund des langfristigen Anlagehorizonts und der deutlich tieferen Kosten setzen wir bei True Wealth konsequent auf marktgewichtete ETF und Indexfonds.
Das Klumpenrisiko einzelner Schwergewichte gleichen wir aus, indem wir Portfolios breit über verschiedene Weltregionen sowie unterschiedliche Anlageklassen hinweg diversifizieren. Eine Spekulation auf kleinere Unternehmen gegen den Gesamtmarkt gehen wir bewusst nicht ein.
Wie stehen Sie zu gleichgewichteten ETF? Haben Sie solche Produkte bereits in Ihrem Portfolio oder bevorzugen Sie klassische marktgewichtete Indizes? Teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne per Mail.
Über den Autor

Gründer und CEO True Wealth. Nach seinem ETH-Abschluss als Physiker war Felix erst mehrere Jahre in der Schweizer Industrie und darauf vier Jahre bei einer grossen Rückversicherung im Portfoliomanagement und in der Risikomodellierung tätig.
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